Einfach machen und nicht meckern!

Zauberkünstler Madou Mann im MFG-Interview: Künstler sollten zehn Prozent ihrer ,,Jammer-Zeit‘‘ investieren und Dinge umsetzten, dann würden sie Ergebnisse sehen, die wirklich etwas bringen.

Screenshot von der virtuellen Zaubershow mit Madou Mann
Zauberkünstler Madou Mann zog mit seiner Show von der Bühne in die virtuelle Welt um | Bild: Madou Mann

Die Kultur- und Kreativwirtschaft mit ihren vielen Kleinunternehmen und Selbstständigen zählt zu den Branchen, die von den Auswirkungender Corona-Pandemie besonders hart getroffen sind. Vielen geht die Pandemie an die finanzielle und moralische Substanz. Mit den #bwbleibtkreativ Schwerpunktwochen für Solo-Selbständige möchte die MFG Kreative in der Krise begleiten.

Zauberkünstler und IDEENSTARK-Preisträger Madou Mann lebt davon, sein Publikum mit seinen Shows zu unterhalten. Wie er mit der Situation umgeht, und wie er sein Geschäftsmodell während der Pandemie umgewandelt hat, erzählt er im #bwbleibtkreativ-Interview.

Madou, als selbstständiger Zauberkünstler und Entertainer bist du mit deinen Shows in normalen Zeiten auf der Bühne zuhause. Volle Veranstaltungssäle sind aber gerade durch die Corona-Pandemie nicht möglich. Wie kann dein Publikum deine Shows trotzdem erleben?

Das ist richtig, die Eventbranche steht gerade relativ still. Mein Geschäftspartner Daniel Hank und ich haben im November angefangen, eine virtuelle Show zu kreieren. Sie hat das Ziel, auch in diesen Zeiten Menschen zu begeistern und zusammen zu bringen. Wir streamen mit mehreren Kameras und der neusten Technik live aus unserem extra für diesen Zweck gebauten Studio. So bieten wir ein Highlight für digitale Firmenevents.

Was waren die größten Herausforderungen, von analog auf digital umzuschalten?

Die Show an sich. Ein komplett neues Medium bedeutet auch eine komplett neue Show, angepasst an die virtuelle Welt. Es funktioniert nicht, seine normale Live-Show einfach vor der Kamera zu spielen. Nehmen wir ein ganz einfaches und bekanntes Beispiel: Eine Karte wird für einen Kartentrick frei aus der Mitte des Kartenspiel gezogen. Das wird virtuell schwer.

Dann geht es weiter: Die Bedingungen müssen noch klarer definiert werden, damit man als Zuschauer nicht einfach sagt: Ich bin nicht im gleichen Raum und ich kann nichts untersuchen. Der Zauberer kann ja alles gemacht haben – Kameratricks, Winkel, präparierte Gegenstände etc.

Weiteres großes Thema: Die Aufmerksamkeitsspanne ist virtuell einfach geringer. Man kennt das von den Meetings, wenn das Handy doch langsam immer interessanter wird. Das bedeutet, ich muss die Kunststücke abwechslungsreich gestalten. Ich darf keine langen Pausen haben, in denen nicht wirklich etwas passiert. Ich muss die Zuschauer von der ersten Sekunde an überzeugen und sie interaktiv mit in die Show einbeziehen. Um es kurz zu machen: um eine gute virtuelle Zaubershow anzubieten, muss man nochmal bei null anfangen, sehr viel hinterfragen und vor allem stetig daran arbeiten.

Zauberkunst und auch Comedy lebt davon, mit dem Publikum zu agieren. Die räumliche Distanz bringt doch sicher eine Barriere mit sich, die es erst zu durchbrechen gilt. Wie schaffst du auch digital eine Verbindung zwischen dir und dem Publikum?

Yes, meine Zauberkunst lebt von der Interaktion mit den Zuschauern. Erst durch diese Zuschauerbeteiligung werden die Shows richtig interessant und einzigartig. Das gleiche Gefühl wollten wir auch virtuell erschaffen. Erst einmal war es dafür wichtig, dass wir dem Zuschauer auch wirklich das Gefühl geben, in der ersten Reihe mit dabei zu sein. Unser Studio besteht momentan aus drei Kameras und professioneller Ton- und Lichttechnik – eine vierte Kamera wird bald dazu kommen.

Zudem dürfen die Zuschauer das Showgeschehen beeinflussen und wir interagieren mit ihnen. Teilweise passiert die Magie sogar in den eigenen Händen direkt bei ihnen zuhause. Und das, obwohl wir Kilometer weit entfernt sind. 

Wie muss man sich das vorstellen?

Jeder Teilnehmer bringt ein Kartenspiel bei sich zuhause mit vor die Kamera. So passiert die Zauberkunst nicht nur bei uns im Studio, sondern auch in den Händen des Zuschauers. Karten sortieren sich auf magische Weise bei jedem einzelnen Zuschauer – egal ob 10 oder 3000 Teilnehmer. Oder eine freigewählte Spielkarte springt nicht nur bei uns nach oben, sondern auch im gemischten Spiel des Zuschauers. Schwer, das so zu beschreiben – das sind wirkliche Wow-Momente, die man live erleben muss.

Du bist aktuell einer der Preisträger*innen von IDEENSTARK Baden-Württemberg, der Auszeichnung für Kultur- und Kreativschaffende der MFG und dem Land. Hat dir das Programm bei der Umsetzung deines neuen Konzepts geholfen?

Gewissermaßen schon. Alleine wegen der Motivation, andere Unternehmer zu treffen, die auch große Visionen haben und sich in diesen Zeiten nicht einschüchtern lassen. Außerdem gibt es nach jedem Coaching von IDEENSTARK eine Sache, die ich sofort in meinem Unternehmen umsetze.

Das letzte war die Idee, verkäuferische Tätigkeiten spielerisch zu gestalten, um das Arbeitsklima zu verbessern und letztendlich auch schnellere Erfolge zu bekommen. Zusammen mit meinem Kollegen habe ich jetzt eine Rennstrecke gebastelt, auf der wir gegeneinander fahren. Je mehr Kunden-Abschlüsse wir machen, desto näher kommen wir an die Zielgerade. Das kann ich jedem empfehlen. Es motiviert, macht Spaß und ist auf jeden Fall cooler als eine langweilige Tabelle.

Was ist für dich als Solo-Künstler bisher dein wichtigstes Learning durch die Corona-Pandemie?

Für mich war 2020 das Jahr mit den meisten Learnings!. Gerade deshalb fällt es mir sehr schwer, mich für ein Learning zu entscheiden. Wahrscheinlich einen Satz, den ich schon öfter gehört, aber jetzt erst durch meine virtuellen Zaubershows richtig verstanden habe: Nicht die Großen fressen die Kleinen, sondern die Schnellen die Langsamen.

Wir haben Mitte November beschlossen, mit virtuellen Zaubershows angefangen. Wir hatten noch keine Show, keinen Trailer, keine Website, keine Google-Ads, kein Studio. Anfang Dezember sind wir schon online gegangen und haben angefangen zu verkaufen, ohne ein fertiges Studio zu haben. Ja, es waren stressige Wochen. Jedoch wurde der Dezember trotzdem zu meinem erfolgreichsten Monat überhaupt und wir sind jetzt eine bekannte Online-Zaubershow. Manchmal muss man einfach schnell anfangen und auf dem Weg Dinge anpassen und verbessern, als ewig zu perfektionieren und nie vom Fleck zu kommen.

Alles in allem: Würdest du sagen, du kommst mit deinem neuen Geschäftsmodell während der Corona-Pandemie gut über die Runden?

Ja, wirklich sehr gut. Da bin ich schon echt zufrieden damit.

Was rätst du anderen Soloselbstständigen, deren Kerngeschäft auch durch die Corona-Pandemie weggebrochen ist?

Einfach machen und nicht meckern! Diese Zeiten haben mehr Vorteile als man vielleicht auf den ersten Blick erkennt. Ansonsten kann ich jedem empfehlen, sich gerade in diesen Zeiten mit bezahlter Werbung auseinanderzusetzen.

Viele Künstler*innen, die wie du normalerweise auf der Bühne stehen, haben es gerade schwer. Was sind deine Erfahrungen im Austausch mit anderen (Solo)-Selbstständigen? Wie geht es ihnen und wie gehen sie mit der aktuellen Lage um?

Leider beobachte ich gerade im Künstlerbereich, dass die Meisten nur jammern und nichts tun. Wir sind gefühlt einige der wenigen Künstler, die diese Zeit nutzen und die Vorteile darin sehen. Ich weiß, das klingt hart und vielleicht etwas arrogant. Aber würden diese Künstler nur zehn Prozent der ,,Jammer-Zeit‘‘ investieren und wirklich Dinge umsetzten, dann würden sie Ergebnisse sehen, die ihnen wirklich etwas bringen.

Interview: Jana Bulling 

Mehr Infos:

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Madou Mann

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