Medien- und Filmgesellschaft Baden-Württemberg

Von Gipfelstürmern und anderen Weltverbesserern

Beim MFG Talente-Tag im Raumwelten-Pavillon gewinnen zwei Karl-Steinbuch-Stipendiaten mit ihrer interaktiven Kletterwand den Talente-Preis.

Am 10. November 2015 wurde der pneumatische Raumwelten-Pavillon in Ludwigsburg zur Bühne für den fünften MFG Talente-Tag. Die zehn Finalisten unter den Karl-Steinbuch-Stipendiaten stellten ihre Projektergebnisse aus den Bereichen Interaktive Medien, Games, Film und Musik sowie Medizin vor. Direkt im Anschluss verlieh eine unabhängige Fachjury den MFG Talente-Preis an die Stuttgarter Studenten Fabian Fiess und Felix Hundhausen für ihre „Interaktive Kletterwand“. Der Publikumspreis ging an das Projekt „Lagekorrektur in der Strahlentherapie“ von Thomas Wollmann aus Heidelberg. Veranstalter ist die MFG Stiftung Baden-Württemberg, die das Stipendium seit elf Jahren vergibt.

Interaktion ist das Wort der Stunde: Zwar kommen die interdisziplinären Projekte der Karl-Steinbuch-Stipendiaten aus den unterschiedlichsten Fachbereichen, aber interaktiv sind sie alle. Ob Naturschutz mit Bürgerbeteiligung, orientalischer Klaviertanz, bei dem der Tänzer die Musik macht, oder neuartige Gamification-Ansätze – im Mittelpunkt stehen der User und das Zusammenbringen verschiedener Perspektiven.

Beim MFG Talente-Tag am 10. November 2015 konkurrierten zehn Finalisten um den Talentepreis. Diese waren zuvor durch ein öffentliches Video-Voting aus 25 Projekten ausgewählt worden. In zehnminütigen Pitches präsentierten die Nachwuchsforscher ihre Ergebnisse im luftigen Raumwelten-Pavillon auf dem Ludwigsburger Akademiehof und stellten sich dann Fragen aus Jury und Publikum. Beide kürten direkt im Anschluss ihre Favoriten: Den Talente-Preis der Fachjury erhielten Fabian Fiess und Felix Hundhausen, die Sport und Videospiel zu einer interaktiven Kletterwand kombinieren, den Publikumspreis Thomas Wollmann, der mit einer Lagekorrektur die Strahlenbelastung von Krebspatienten reduziert.

Wenn die Kletterwand zum Therapeuten wird

„Über den Preis freuen wir uns sehr“, sagt Fabian Fiess, der Audiovisuelle Medien an der HdM Stuttgart studiert. „Zwar waren wir gut vorbereitet, aber auch die anderen Projekte sind wirklich beachtlich.“ Gemeinsam mit dem Elektrotechnik-Studenten Felix Hundhausen vom KIT hat er eine Wand mit elektronischen, berührungsempfindlichen Klettersteinen entwickelt. Sie funktioniert wie das überdimensionale Display eines Videospiels, mit dem die Spieler direkt interagieren.

„Unsere Kletterwand soll die besonderen Erlebnisqualitäten aus der Klettertherapie mit mit der Motivationskraft von Games verbinden.“ Die beiden wollen jetzt verstärkt am therapeutischen Einsatz weiterarbeiten. In der Physiotherapie zum Beispiel können Patienten über die Kletterwand spielerisch motiviert werden, Bewegungsabläufe zu wiederholen und natürliche Mechanismen wie das Greifen zu trainieren. Hier haben die Stipendiaten Kontakt zu einem Besigheimer Fitnessstudio, den sie weiter verfolgen werden.

Mit dem Entwicklungsstand ihres Projekts sind sie sehr zufrieden: „Ein besonderer Erfolgsmoment war es, letztes Wochenende die neuen technischen Komponenten zu einem funktionierenden Ganzen zusammenzubauen“, so Fiess. „Das hätten wir ohne die Unterstützung und die Deadlines der MFG Stiftung nicht so schnell geschafft. Auch dafür möchten wir uns bedanken.“

Experimentieren, Teilhaben, Verbessern

Auch der Publikumspreisgewinner setzt sich für Patienten ein: Thomas Wollmann, Student der medizinischen Informatik an der Uni Heidelberg, nutzt 2D- und 3D-Kameras, um Patientenoberflächen bei der Strahlenbehandlung von Krebspatienten aufzuzeichnen. Anhand der Messdaten wird eine Lagekorrektur durchgeführt, so dass die Strahlenbelastung verringert werden kann. Beide Gewinnerprojekte zeigen, wie Karl-Steinbuch-Stipendiaten Disziplinen verbinden, um neue Lösungen zu finden und Prozesse oder Situationen zu verbessern.

Mit dem Karl-Steinbuch-Stipendium unterstützt die MFG Stiftung innovative Studenten, die eine überzeugende Idee zu einem konkreten Forschungsergebnis werden lassen. Dahinter steht die Überzeugung, dass die frühzeitige Vernetzung talentierter Nachwuchskräfte mit der Wirtschaft durch den demografischen Wandel zur Notwendigkeit wird. Bisher konnten in 15 Ausschreibungsrunden von 432 Bewerbungen 187 Projekte gefördert und von 268 Stipendiaten umgesetzt werden.

Weiterführende Links:

karl-steinbuch-stipendium.de  |  stiftung.mfg.de  |  bit.ly/KSS2015_Fotos

Über das Karl-Steinbuch-Stipendium

Das Karl-Steinbuch-Stipendium wird bereits seit 2004 von der MFG Stiftung vergeben. Mit dem Stipendium werden kreative Projekte mit digitalem Bezug aus allen Fachrichtungen gefördert, die Studierende neben ihrem Studium durchführen. Die Projekte müssen entweder ein Forschungsziel haben oder einen künstlerischen Wert aufweisen. Neben dem digitalen und medialen Bereich sind insbesondere interdisziplinäre Ideen gefragt, die die beiden Querschnittsdisziplinen mit anderen Fachwissenschaften verbinden.

Über die MFG Stiftung Baden-Württemberg

Die MFG Stiftung wurde 2003 ins Leben gerufen. Ziel ist Aus- und Weiterbildung sowie Förderung von Kunst, Kreativität und Kultur. Schwerpunkte sind Forschung und Entwicklung in den Bereichen Kreativwirtschaft, Medien und Film im Rahmen eigener Projekte. Die MFG Stiftung fördert innovative Forschungsaktivitäten durch Studien, Stipendienprogramme, Wettbewerbe und Vernetzungsangebote.

Die Finalisten der Karl-Steinbuch-Stipendiaten

  1. Eiko Bäumker und Thomas Schaechtle, Universität Freiburg:
    Molae quaesitae. Visualisierung per Wasserrad erfasster Umweltdaten über eine rotierende LED-Anzeige
  2. Wendy Fox, Hochschule für Gestaltung Karlsruhe:
    Integriti – Integrierte Titel. Untertitel werden der Filmhandlung näher gebracht
  3. Sebastian Brackhane und Mirko Mälicke, Universität Freiburg:
    Locomotif – Local Community Monitoring & Terrestrial Information Facilitation. Einsatz lokalen Standortwissens für die Bestandsaufnahme von Wäldern
  4. Fabian Fiess und Felix Hundhausen, HdM Stuttgart / KIT:
    Interaktive Kletterwand. Steuerung der Kletterfläche oder „Smart Wall“ über berührungsempfindliche Klettersteine als überdimensionales Display
  5. Anuja Hariharan, Karlsruhe Institute of Technology (KIT)
    Regulation of Emotional Sensitivity to Gains and Losses through Real-time Biofeedback
  6. Vincent Wikström und Marija Skender, Hochschule für Musik Karlsruhe:
    Orientalischer Klaviertanz. Tanzbewegungen erzeugen Musik über optische Motion-Tracking Technologien
  7. Yafes Sahin, Filmakademie Baden-Württemberg:
    Virtual Production. Plattform für die Echtzeitkommunikation am Filmset
  8. Johannes Pospiech, Universität Ulm:
    Modellierung der interzellulären Kommunikation in der Stammzellnische. Mathematische Untersuchung von Stammzellen-Interaktionen
  9. Lea Siegle und Julian Schwab, Universität Ulm:
    Modellierung und Analyse der Signalwege IGF und Wnt durch temporale Boolesche Netze. Frühzeitige Identifizierung altersbedingter Krankheiten
  10. Thomas Wollmann, Hochschule Heilbronn / Universität Heidelberg:
    Lagekorrektur in der Strahlentherapie mittels eines virtuellen Patientenmodells und Tiefensensoren

Ansprechpartner

Dr. Andrea Buchholz
Dr. Andrea Buchholz

Leiterin Projektteam Talent- und Forschungsförderung

Unit Kultur- und Kreativwirtschaft

Ines Goldberg
Ines Goldberg

Referentin PR / Kommunikation

Unit Kultur- und Kreativwirtschaft

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