Medien- und Filmgesellschaft Baden-Württemberg

Keine Angst vorm Krankenhaus

BW Goes Mobile-Gewinnerin Julia Klebitz bereitet mit ihrer „Virtuellen-Kinderklinik“-App junge Patienten auf den Krankenhausbesuch vor

Gruppenfoto von Teammitgliedern am Tisch
Der Mentor Christian Müller (links) mit den zwei Teammitgliedern Julia Klebitz und Christian Beuter | Bild: MFG Baden-Württemberg/Kleine

Die „Virtuelle Kinderklinik“ hebt sich ab. Sie denkt ihr Produkt von den kleinsten Patienten her - denen, den man unmittelbar Gutes tun kann. Denn wenn ein Kind erfährt, dass es ins Krankenhaus muss, bekommt es allzu oft Angst. Was ist eine Klinik? Was passiert da? Wie sieht es da aus?

Zwar kann eine mobile Anwendung die Behandlung nicht ersetzen. Aber sie kann helfen, sich darauf vorzubereiten. Das ist die Idee des Teams von „Hilfe für kranke Kinder“, der Stiftung der Uni-Kinderklinik in Tübingen. Julia Klebitz war dort bis vor kurzem Referentin für Öffentlichkeitsarbeit. Sie hat sich mit dem Medieninformatiker Christian Beuter, sowie Mitarbeitern des Tübinger Zentrums für Medienkompetenz zusammengetan, um die „Virtuelle Kinderklinik“-App zu entwickeln. Im Interview berichtet sie von den Fortschritten, die das Projekt dank des MFG-Ideenwettbewerbs BW Goes Mobile gemacht hat.

 

Virtuelle Kinderklinik: noch nie gehört. Was ist das genau?

Viele Kinder haben Angst vor dem Krankenhaus und vor Untersuchungen - oft, weil sie nicht wissen, was auf sie zukommt. Das Personal in der Kinderklinik leistet zwar tolle Arbeit, wenn es darum geht, die jungen Patienten vorzubereiten. Aber die Mitarbeiter in den Kliniken und Praxen stehen auch unter großem Zeitdruck.

Unsere App “Virtuelle Kinderklinik” hilft Eltern, sich mit den Kindern auf den Arztbesuch vorzubereiten. Das Ganze läuft spielerisch ab und mit einem Spaßfaktor. Auch die Eltern können mithilfe unserer Virtuellen Kinderklinik noch vieles lernen. Sie bekommen Tipps und Hinweise rund um den Krankenhausaufenthalt. Die App hilft also allen: den Kindern, ihren Eltern, dem Klinikpersonal und letztlich natürlich auch der Klinik selbst.

Kann man damit Geld verdienen?

Die Virtuelle Kinderklinik war ursprünglich als einmaliges Projekt geplant, das wir ausschließlich für die Stiftung der Tübinger Uni-Kinderklinik umsetzen wollten. Grundsätzlich ließe sich unsere App aber natürlich für nahezu jede Klinik oder Arztpraxis individuell nutzen. In der App können die Patienten zum Beispiel exakt die Räume sehen, in denen sie später auch tatsächlich behandelt werden. Denkbar wäre ein Lizenzmodell: Für die Praxen und Kliniken, die eine Virtuelle-Klinik-App einsetzen, bringt das einen Wettbewerbsvorteil gegenüber Mitbewerbern. Denn Patienten sind ja letztlich auch Kunden. Und die lassen sich lieber dort behandeln, wo sie sich gut aufgehoben und betreut fühlen.

Inwiefern habt ihr die Virtuelle Kinderklinik während BW Goes Mobile vorangebracht?

Wir haben während der Workshopphase die App konzeptioniert, mit der sich Kinder und Eltern auf einen Aufenthalt im Krankenhaus vorbereiten können. Die kleinen Patienten bekommen kindgerecht und spielerisch Untersuchungen erklärt und können sich unter anderem mittels 360-Grad-Videos in den Räumen der Klinik umschauen. Damit verlieren sie die Angst vor dem, was auf sie zukommt. Wir stehen aktuell kurz vor dem Beginn der Dreharbeiten für die Videos und unser Webentwickler arbeitet aktuell an einem Prototypen der App. Die App finanzieren wird über Fördermittel. Neben dem Preisgeld der Google Impact Challenge war die Förderung durch die MFG ein ganz wichtiger Baustein.

Was ist die wichtigste Erkenntnis die ihr aus den Workshops im Rahmen von BW Goes Mobile gezogen habt?

Dass es sich bei der Entwicklung und Weiterentwicklung von Projekten immer lohnt, unternehmerisch zu denken. Das hilft ungemein dabei, das Produkt so zu gestalten, dass es auch tatsächlich alle Erwartungen und Bedürfnisse des Kunden erfüllt - oder in unserem Fall kranken Kindern hilft.

Der Mobile-Markt ist in Bewegung. Wo würdest du die "virtuelle Kinderklinik" unter den aktuellen Trends verorten?

Virtual und Augmented Reality spielen im Gesundheitswesen und in der Medienpädagogik eine immer wichtigere Rolle. Aktuell werden diese Technologien hauptsächlich in der Ausbildung von medizinischem Personal, in der Medizintechnik oder bei der Therapie von Traumata eingesetzt. In der Medienpädagogik stehen die Experten erst ganz am Anfang und es gibt nur sehr wenige Unternehmen, die sich aktuell im Auftrag von Krankenhäusern oder Gesundheitseinrichtungen mit VR-Projekten für Patienten befassen. Solche Ansätze werden aber immer wichtiger. Auch weil sich die Patienten immer mehr und umfangreicher vorab informieren wollen, wenn ein Klinikaufenthalt oder ein Arztbesuch ansteht. Da können wir den Patienten mit unserer App eine wichtige Hilfe an die Hand geben.

2019 geht BW Goes Mobile in die nächste Runde. Wer sollte jetzt überlegen, sich zu bewerben?

Es braucht vor allem eine spannende Idee für eine Mobile-Anwendung. Ob das Team mit dem Transfer der Idee in ein Konzept noch ganz am Anfang steht oder ob es vielleicht sogar schon einen Prototypen gibt, ist dabei erstmal völlig egal. Das BW-Goes Mobile-Team unterstützt Kreative in jeder Projektphase. Die vielen Gespräche über unser Projekt, das Feedback und Coaching der Dozenten und die konstruktive Kritik haben uns wirklich weitergebracht. Nein, eigentlich sind wir dadurch schon fast am Ziel. Auch der Austausch mit den anderen Projektgruppen hilft sehr, die eigene Idee weiterzuentwickeln und sie letztlich marktfähig zu machen.

Über BW Goes Mobile

Mit dem Ideenwettbewerb BW Goes Mobile unterstützt die MFG im Auftrag des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst Studierende, Unternehmer und Start-ups aus Baden-Württemberg bei der Umsetzung ihrer mobilen Anwendungen. Die Gewinnerteams 2018 stehen inzwischen fest. Die Personen dahinter, ihre Konzeptideen und die Erfahrungen, die sie mit BW Goes Mobile gemacht haben, werden in einer Interviewreihe nun vorgestellt.

Weitere Interviews der Reihe

Sense Trans Techno denkt Mobile weiter 
PlantHub: Ein Netzwerk gegen das Artensterben 
Gesund dank VR 
​​​​​​​Marble AR arbeitet an der Konzert-Revolution

Interview: Jan Georg Plavec

Mehr Infos:
BW Goes Mobile
Hilfe für kranke Kinder

Ansprechpartner

 Mira Kleine
Mira Kleine

Projektleiterin Unternehmerisches Handeln

Unit Kultur- und Kreativwirtschaft

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