Medien- und Filmgesellschaft Baden-Württemberg

Marble AR arbeitet an der Konzert-Revolution

BW-Goes-Mobile-Gewinner Tom Brückner berichtet im Interview von der Premiere seiner Virtual-Reality-Technologie bei einem Livekonzert

Teamfoto von den zwei Marble AR Gründern
Paul Wehner (links) und Tom Brückner haben mit Marble AR auch beim SXSW in Austin überzeugt. Rechtsklick für mehr Bilder | Bild: privat
Konzertraum mit Klavier und Publikum
Marble AR wurde bereits bei Live-Konzerten vor Publikum eingesetzt | Bild: privat

Livekonzerte sind beliebter denn je. Das Start-Up Marble AR aus Weingarten macht sich daran, dass sie zum digital gestützten Erlebnis werden. Mit Apps und einer leicht mit bestehenden Systemen zu koppelnden Steuerungstechnik bringt das Start-up Augmented Reality in die Konzertsäle. Dass das funktioniert, haben sie in Zusammenarbeit mit Musikern bereits vor Publikum bewiesen - und damit unter anderem vergangenes Jahr den “Best Music Award” beim Hackathon des Festivals South by Southwest (SXSW) gewonnen.

2018 zählte das von Paul Wehner (MIT Boston) und Tom Brückner (KIT Karlsruhe) gegründete Projekt zu den Gewinnern beim MFG-Ideenwettbewerb BW Goes Mobile. Im Interview berichtet Brückner, wie er und sein Geschäftspartner ihr Produkt seither weiterentwickelt haben - und warum sie nicht weniger als eine Revolution des Konzertgeschäfts im Sinn haben.

 

Tom, das mit Augmented Reality und Livekonzerten musst du uns kurz erklären. Wofür braucht man das und wie soll das gehen?

Der Musikmarkt befindet sich im Umbruch, man konzentriert sich zunehmend auf Livekonzerte. Die Shows werden bombastischer, Lichtanlagen und Displays größer. Aus unserer Sicht ist es nur folgerichtig, im nächsten Schritt den Konzertraum mittels Augmented-Reality-Technologie zur virtuellen Bühne zu machen und die Konzertbesucher einzubeziehen.

Stell dir vor, du betrittst die Tanzfläche, die Musik läuft und gleichzeitig erscheinen um dich herum visuelle Elemente, die dir das Gefühl vermitteln, in ein passendes Musikvideo einzutauchen - und das nicht in Virtual Reality, sondern im “realen Raum”. Künstler können Licht- und Soundeffekte mit real im Raum vorhandenen Objekten steuern und das Publikum reagiert darauf mit einer virtuellen La-Ola-Welle.

Die nötige Hardware dafür gibt es bereits, aber eben noch keine Software, mit der man die AR-Show steuern kann. Wir haben eine Serverlösung namens Marble Bridge entwickelt. Sie verbindet die Software, mit denen man typischerweise Effekte steuert sowie unsere AR-Apps, mit der wir das Konzerterlebnis intensivieren. Marble AR ermöglicht also den Einsatz von AR bei Konzerten.

Inwiefern habt ihr Marble AR in den vergangenen Monaten während der BW-Goes-Mobile-Phase weiterentwickelt?

Gemeinsam mit dem Musiker Ralf Schmid haben wir eine Konzertreihe in Freiburg auf die Beine gestellt, in der wir unsere Augmented-Reality-Technologie das erste Mal live vor Publikum erprobt haben - mit durchschlagendem Erfolg. Nebenbei haben wir an unserem Geschäftsmodell und unserer Vermarktungsstrategie gefeilt. Die Unterstützung von BW Goes Mobile war in beiden Fällen überaus hilfreich.

 

Und wie verdient ihr mit AR bei Konzerten Geld?

Sowohl die Apps als auch die Marble Bridge liegen als "Minimum Viable Product" vor und wurden wie gesagt bereits live vor Publikum erprobt. In den ersten Konzerten von Ralf Schmid erfolgte dies noch per Projektion auf eine Leinwand sowie Mobilgeräten, die im Publikum platziert wurden. Im nächsten Schritt möchten wir es den Zuschauern ermöglichen, ihre eigenen Geräte zu verwenden ("bring your own device"). Langfristig wollen wir unsere Softwarelösung lizenzieren. Da das Thema AR noch neu ist und Veranstalter entsprechende Produktionen noch nicht selbst stemmen können, werden wir zunächst als Full Service Provider am Markt auftreten, ergänzt durch Partner.

Was war euer Aha-Effekt bei dem Projekt?

Welchen Unterschied es macht, wenn derlei Technologie von einem echten Künstler eingesetzt wird. Als wir das erste Mal sahen, wie Ralf Schmid mit unseren AR-Lösungen experimentiert, war das auch für uns eine kleine Offenbarung.

Das klingt so, als hätte euch euer Mentor Christian Müller von der Filmakademie gar keine Tipps mehr geben können?

Im Gegenteil! Er hat uns viele wertvolle Hinweise gegeben, wie wir Marble AR im Kreativmarkt platzieren. Christian hat auch geholfen, wichtige Kontakte anzubahnen. Das Thema AR ist ja nicht nur technisch, sondern auch künstlerisch geprägt. Storytelling ist genauso wichtig wie Gestaltung. Deshalb sind wir sehr froh über die Unterstützung des Animationsinstituts.

Der Mobile-Markt ist in Bewegung. Wo geht die Reise für die Branche hin und was ist der nächste Schritt für Marble AR?

Wir sind fest überzeugt, dass es herkömmliche Smartphones in zehn bis fünfzehn Jahren kaum noch geben wird, da sie sukzessive durch AR-Technologien abgelöst werden. Magic Leap aus Florida will beispielsweise Photonen direkt auf die Hornhaut projizieren, sodass das Auge virtuelle Objekte ebenso fokussieren kann wie echte. Die reale und die virtuelle Welt werden immer stärker zu einer Gesamtheit verschmelzen. Spätestens wenn derlei Geräte auf die Größe einer Kontaktlinse geschrumpft sind, werden sie zum Alltag gehören und beispielsweise die Eventbranche ähnlich revolutionieren wie MTV einst den Tonträgermarkt. Bis es soweit ist, setzen wir natürlich auf Smartphones und Tablets. Momentan sind wir dabei, namhafte Künstler, Veranstalter und Technologiepartner zu gewinnen.

Zu welchem Zeitpunkt ist BW Goes Mobile 2019 für Gründer eine echte Hilfe?

BW Goes Mobile ist perfekt geeignet für alle, die mit einer innovativen Idee im Bereich Mobile, VR oder AR einen ersten Zwischenstand erreicht haben und ihr Projekt nun weiter voranbringen möchten. Für uns war die Zusammenarbeit außerordentlich fruchtbar.

Das LiveKonzert mit Pianist Ralf Schmid gibt es hier zu sehen.

 

Über BW Goes Mobile

Mit dem Ideenwettbewerb BW Goes Mobile unterstützt die MFG im Auftrag des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst Studierende, Unternehmer und Start-ups aus Baden-Württemberg bei der Umsetzung ihrer mobilen Anwendungen. Die Gewinnerteams 2018 stehen inzwischen fest. Die Personen dahinter, ihre Konzeptideen und die Erfahrungen, die sie mit BW Goes Mobile gemacht haben, werden in einer Interviewreihe nun vorgestellt.

Weitere Interviews der Reihe

Sense Trans Techno denkt Mobile weiter 
PlantHub: Ein Netzwerk gegen das Artensterben 
Gesund dank VR 
Keine Angst vorm Krankenhaus

Interview: Jan Georg Plavec

Mehr Infos:
BW Goes Mobile
Marble AR

Ansprechpartner

 Mira Kleine
Mira Kleine

Projektleiterin Unternehmerisches Handeln

Unit Kultur- und Kreativwirtschaft

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