Medien- und Filmgesellschaft Baden-Württemberg

Gesund dank VR

BW Goes Mobile-Gewinner Philipp Zajac entwickelt mit „Rehago” eine Rehabilitationssoftware für mobile VR-Geräte

Foto der Rehago Teammitglieder
Bild: MFG Baden-Württemberg/Kleine

Im Gesundheitssektor können mobile Lösungen den Patienten unmittelbar bei der Genesung unterstützen. Rehago, einer von fünf Gewinnern des MFG-Ideenwettbewerbs BW Goes Mobile 2018, hilft Menschen mit halbseitiger Lähmung, wie sie etwa nach einem Schlaganfall auftritt. Vier Tübinger Gründerinnen und Gründer haben sich für die Entwicklung der Gamification-Software zusammengetan.

Die Chancen auf eine erfolgreiche Vermarktung stehen gut: Rehago nutzt bereits am Markt verfügbare Hardware wie Smartphones und VR-Brillen, kostet relativ wenig und dank des Mentorings im Rahmen von BW Goes Mobile wurden bereits erste Kontakte zu Krankenkassen geknüpft. Philipp Zajac hat bei seinem Informatik- und Neurobiologie-Studium gemeinsam mit Kommilitonen Johannes Höfener, Melanie Schweis und Anika Ochsenfahrt die Ursprungsidee zu Rehago entwickelt. Im Interview berichtet er von seinen Erfahrungen mit BW Goes Mobile.
 

Philipp, erkläre uns doch bitte kurz, warum die Welt Rehago braucht.

Jeden Tag erleiden tausende Menschen eine halbseitige Lähmung, etwa nach einem Schlaganfall. Sie haben Probleme mit alltäglichen Aufgaben. Einigen fällt es beispielsweise schwer, sich selbst anzuziehen. Außerhalb der Klinik bekommen sie für die Rehabilitation durchschnittlich nur eine halbe Stunde Therapie alle zwei Wochen, sollten aber mindestens zwei bis drei Stunden täglich trainieren. Für dieses tägliche Training kann Rehago Schlaganfallpatienten über einen spielerischen Gamification-Ansatz motivieren und so die Genesung unterstützen.

Wie weit seid ihr mit der Realisierung und wie wollt ihr mit Rehago Geld verdienen?

Im August wird Rehago als Firma gegründet und im August startet der Verkauf der Software als Early-Access-Phase. Die Software wird samt Hardware als monatliches Abo angeboten. Um Rehago möglichst schnell auf dem Markt zu etablieren, haben wir verschiedene Forschungs- und Gründerförderungen beantragt und eine Investitionsrunde im Umfang von 1,5 Millionen Euro für die ersten 18 Monate geplant.

Inwiefern hat euch die Zeit während BW Goes Mobile der Marktreife nähergebracht?

In den Workshops bei BW Goes Mobile und zusammen mit den Mentoren haben wir an Themen wie Marketing und Vertrieb, Pitching und Geschäftsmodell gearbeitet. Unser Mentor Uwe Maier von der DAK hat uns Einblicke in die Perspektive von Krankenkassen gewährt und half uns, erste Schritte in Richtung Zertifizierung einzuleiten - das ist wichtig für die spätere Kostenerstattung. Zudem haben wir im Verlauf von BW Goes Mobile die Plattform Rehago intern so abstrahiert, dass sie jetzt auf allen mobilen VR-Systemen läuft und getestet werden kann.

Welcher Tipp eures Mentors Uwe Maier (DAK) war für euch besonders wertvoll?

Herr Maier konnte unser Geschäftsmodell aus der Sicht der Krankenkassen unter die Lupe nehmen. Nicht nur bei der Zertifizierung, sondern auch beim Marketing unseres Produkts für die Krankenkassen unterstützt er uns umfassend.

Wo geht die Reise für mobile Lösungen im Gesundheitsbereich hin?

Die Entwicklung des Mobile-Markt macht Rehago erst möglich. Ein einfaches und mobiles Setup für Patienten ist essentiell, damit die Rehabilitation erfolgreich verläuft. Mit Rehago profitieren Patienten wiederum stets von den neuesten Entwicklungen. So erhalten auch ältere Menschen Zugang zu motivierenden Übungen und evidenzbasierten Methoden wie Gamification, die in erheblichem Maße die intrinsische Motivation unterstützen und zu besseren Trainingserfolgen verhelfen können. Auch kann die Bewegungsfähigkeit der Patienten kontinuierlich und objektiv erfasst werden. Die Dokumentation erfolgt automatisch und die Behandlung wird optimal auf den Patienten zugeschnitten. Dank unserer technischen Unterstützung stehen der Patient und seine Genesung im Mittelpunkt der Behandlung.

Und zum Abschluss: was ist euer wichtigstes Learning aus BW Goes Mobile?

Es ist immer wichtig, mit mehreren Augen auf ein Startup und die Geschäftsidee zu schauen. Deshalb sind Veranstaltungen, in denen Teams aus unterschiedlichen Disziplinen zusammenkommen, sehr wertvoll für die Weiterentwicklung.

Über BW Goes Mobile

Mit dem Ideenwettbewerb BW Goes Mobile unterstützt die MFG im Auftrag des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst Studierende, Unternehmer und Start-ups aus Baden-Württemberg bei der Umsetzung ihrer mobilen Anwendungen. Die Gewinnerteams 2018 stehen inzwischen fest. Die Personen dahinter, ihre Konzeptideen und die Erfahrungen, die sie mit BW Goes Mobile gemacht haben, werden in einer Interviewreihe nun vorgestellt.

Weitere Interviews der Reihe

Sense Trans Techno denkt Mobile weiter 
PlantHub: Ein Netzwerk gegen das Artensterben 
Keine Angst vorm Krankenhaus 
​​​​​​​Marble AR arbeitet an der Konzert-Revolution

Interview: Jan Georg Plavec

Mehr Infos:
BW Goes Mobile
Rehago Virtual Reality Training

Ansprechpartner

 Mira Kleine
Mira Kleine

Projektleiterin Unternehmerisches Handeln

Unit Kultur- und Kreativwirtschaft

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