Medien- und Filmgesellschaft Baden-Württemberg

Ein Netzwerk gegen das Artensterben

BW Goes Mobile Gewinner Christian Atz erklärt im Interview, wie er mit seinem Start-up Planthub Pflanzenfreunde aus aller Welt vernetzen möchte

Teamfoto Gewinner BW Goes Mobile
Das Gründerteam von Planthub (von oben nach unten): Christian Atz, Benjamin, Christian und Norbert Kreft | Bild: Christian Atz

Vom Artensterben hat jeder schon einmal gehört. Etwas dagegen zu tun, ist aber nicht einfach. Planthub will das ändern. Drei Hobbygärtner und Unternehmer aus Lahr haben sich zusammengetan, um mit ihrem Netzwerk Pflanzenfreunde weltweit zu verbinden. Über Planthub ist auch die Suche nach bestimmten Pflanzen und Samen möglich - damit es künftig noch mehr Erfolgsgeschichten wie die “Alb-Leisa” gibt, die ausgestorben schienen, dann aber in einer russischen Samendatenbank wiedergefunden wurden.

Pflanzenfreunde gibt es weltweit, sie sind aber nicht sonderlich gut vernetzt. In diese Lücke wollen der Startup-Experte Christian Atz und seine Geschäftspartner Norbert, Christian und Benjamin Kreft stoßen. Im Interview berichtet Christian Atz, dass ihm und seinen Mitstreitern das BW-Goes-Mobile-Programm geholfen hat, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren.

 

Christian, warum braucht die Welt Planthub?

Etwa ein Viertel der weltweit vorkommenden Pflanzenarten ist vom Aussterben bedroht. Vom Menschen geht eine besondere Bedrohung aus. Samen- und Pflanzendatenbanken versuchen, die bestehende Vielfalt zu bewahren. Diese klassischen Datenbanken können jedoch selbst bedroht sein, beispielsweise durch Erdbeben, Kriege oder Plünderungen. Im Irak oder in Afghanistan gingen solche Datenbanken während der kriegerischen Auseinandersetzungen unwiederbringlich verloren.

Planthub soll die klassischen, auf nationaler oder internationaler Ebene verwalteten Datenbanken um ein digitales, dezentrales und crowdgesourctes Angebot ergänzen. Pflanzenfans aus der ganzen Welt können ihre Pflanzen auf Planthub eintragen. Falls man glaubt, dass eine Art ausgestorben ist, findet man auf Planthub vielleicht jemanden, der die Pflanze irgendwo auf der Welt noch anpflanzt. Dann kann man von ihm die Pflanze oder die Samen bekommen, entweder kostenlos oder gegen einen kleinen Betrag. Damit können der Bestand wieder vergrößert und das Aussterben verhindert werden.

Was habt ihr während eurer Zeit mit BW Goes Mobile alles erreicht?

Wir haben einerseits die Webseite an die Datenschutzgrundverordnung angepasst - das war die Pflicht. Die Kür war, dass wir neue Wege für die Monetarisierung entwickelt haben. Außerdem haben wir den Funktionsumfang der Plattform reduziert.

Es geht bei Planthub um den Aufbau einer Plattform und, noch wichtiger, einer Community. Wie weit sind du und deine Mitstreiter mit der Entwicklung gekommen und wie wollt ihr mit Planthub Geld verdienen?

Die Grundfunktionen sind fertig: Nutzer können Profile erstellen, Pflanzen katalogisieren und abfragen, ob ein anderer Nutzer bestimmte Pflanzen oder Samen besitzt – damit man sie dann bei ihm tauschen oder bestellen kann. Als nächstes entwickeln wir die Möglichkeit, Firmenprofile anzulegen.

Umsätze möchten wir anfangs durch einen Online-Marktplatz erzielen, über den wir eigene sowie von Dritten hergestellte Produkte mit Pflanzenbezug verkaufen. Außerdem planen wir Marketingkampagnen mit Firmen, die Pflanzen und Samen als Werbeträger nutzen möchten. Durch Planthub können die Firmen anschließend mit ihren Kunden im Austausch und Kontakt bleiben.

Was ist die wichtigste Erkenntnis, die du und dein Team aus BW Goes Mobile gezogen haben?

Dass wir zu detailverliebt an Funktionen gearbeitet haben, die für die anfängliche Nutzung nicht relevant sind. Während BW Goes Mobile haben viele Außenstehende einen Blick auf unser Projekt geworfen und Feedback gegeben. Als Reaktion darauf haben wir den Funktionsumfang reduziert und uns auf das Wesentliche konzentriert. Gründer müssen also früher nach Feedback fragen und Funktionen besser schrittweise implementieren.

Als Mentor wurde euch Dominik Ochs von der Nachhaltigkeitsagentur Grüne Neun vermittelt. Er hat euch insbesondere bei Fragen zur Realisierung eurer Idee und zur Vermarktung geholfen. Welcher Tipp war besonders wertvoll?

Dominik sieht eine Marktberechtigung für unsere Anwendung. Das war für uns eine besonders wichtige Erkenntnis. Er ist überzeugt, dass wir mit unserem Ansatz auch Kunden aus dem B2B-Bereich gewinnen können.

Wie platziert ihr Planthub bei eurer jungen, technikaffinen Zielgruppe? Eine klassische App reicht solchen Nutzern möglicherweise nicht aus.

Wir Digital Natives haben uns in der Jugend eher mit der Technik als mit der Natur verknüpft. Jetzt im Erwachsenenalter findet ein Umdenken statt und wir möchten auch gerne mal abschalten - die Natur durch das Halten von Pflanzen zu erfahren ist dabei ein beliebter Ansatz. Das zeigt sich auch anhand der vielen Community Gärten in Großstädten oder der erhöhten Nachfrage nach städtischen Kleingärten. Um unsere Zielgruppe, also Gleichgesinnte, anzutreffen planen wir auch auf Pflanzentauschmärkte zu gehen, Gemeinschaftsgärten zu besuchen und mit Kleingartenvereinen zu kooperieren.

Nachdem ihr mehrere Monate lang Erfahrungen damit sammeln durftet: für welche Gründer ist BW Goes Mobile gemacht?

Allen Gründerteams, die aufgrund zu vieler Ideen den Fokus auf die Umsetzung und einen frühen Launch verlieren.

Über BW Goes Mobile

Mit dem Ideenwettbewerb BW Goes Mobile unterstützt die MFG im Auftrag des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst Studierende, Unternehmer und Start-ups aus Baden-Württemberg bei der Umsetzung ihrer mobilen Anwendungen. Die Gewinnerteams 2018 stehen inzwischen fest. Die Personen dahinter, ihre Konzeptideen und die Erfahrungen, die sie mit BW Goes Mobile gemacht haben, werden in einer Interviewreihe nun vorgestellt.

Weiteres Interview der Reihe:
Sense Trans Techno denkt Mobile weiter

Mehr Infos:
BW Goes Mobile
Planthub

Ansprechpartner

 Mira Kleine
Mira Kleine

Projektleiterin Unternehmerisches Handeln

Unit Kultur- und Kreativwirtschaft

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