Professor Volker Helzle leitet das Carl Laemmle Institut für Forschung und Medieninnovation der Filmakademie Baden-Württemberg. Das Institut ist im Verbund mit Fraunhofer IAO/IPA und ARENA2036 Projektpartner des Industrial Metaverse Reallabors. Unternehmen aller Industriezweige können es kontaktieren, um ihren Einsatz von XR-Anwendungen überprüfen zu lassen. Aus Quick Checks und Exploring Projects werden Demonstratoren – um Metaverse-Potenziale der Anwendungsfälle für die regionale Wirtschaft fruchtbar zu machen.
Im Vorfeld der Immersive Future Conference FUTUROMUNDO CYBERLÄND haben wir mit ihm darüber gesprochen, warum das Carl Laemmle Institut sich beim Industrial Metaverse Reallabor und bei der Konferenz einbringt. Im Interview spricht er über die Chancen des Industrial Metaverse, die Bedeutung von Echtzeit- und XR-Technologien für die Industrie sowie die Rolle Baden-Württembergs als Standort für immersive Technologien.
Die Filmakademie Baden-Württemberg mit dem Carl Laemmle Institut ist Projektpartner beim Industrial Metaverse Reallabor und beteiligt sich an einer Masterclass zum Thema Metaverse-Anwendungen für Unternehmen. Warum war es Ihnen wichtig, sich in das Reallabor einzubringen?
Wir arbeiten seit vielen Jahren an der Schnittstelle neuer Technologien für Anwendungen im Kreativbereich und darüber hinaus. Vor Gründung des Carl Laemmle Institut Anfang 2026 war ich viele Jahre für die Abteilung Forschung und Entwicklung am Animationsinstitut verantwortlich. Bereits 2009 haben wir Avataranwendungen für den medizinischen Kontext in der Autismusforschung erforscht (Projekt Sara). 2022-2025 konnten wir durch das EU-Projekt EMIL 5,6 Millionen Euro zur Finanzierung der innovativsten Metaverse- und XR-Projekte ausschütten. Darunter viele Anwendungen im industriellen, therapeutischen und natürlich auch kreativen Bereich. Fazit: Auch wenn Filmakademie draufsteht, passiert bei uns sehr viel mehr, das nicht immer nur mit Film zu tun hat. Entsprechend sind wir glücklich, mit dem Carl Laemmle Institut Teil des Industrial Metaverse Reallabor zu sein.
Welche Chancen entstehen, wenn Forschung, Kreativwirtschaft und Industrie zusammenkommen?
Sehr umfangreiche. Gerade jetzt, wo uns durch KI-Technologien zahlreiche Möglichkeiten bereitstehen, sollte die Rolle der Kreativindustrie nicht unterschätzt werden. Es geht dabei immer auch darum, Wege zu erkunden, die bisher noch niemand eingeschlagen hat. Die Auswahl von Technologiekomponenten stellt dabei jedoch zunehmend eine Herausforderung dar. Darum legen wir am Carl Laemmle Institut großen Wert auf quelloffene (Open-Source) und europäisch souveräne Entwicklungen.
Welche Entwicklungen aus Games und Animation sind wichtig oder nützlich für industrielle Anwendungen?
Echtzeittechnologien erlauben direkte Manipulation und dadurch auch schnelle Iteration, außerdem virtuelle Kollaboration, was bei sorgfältiger Planung und Ausführung auch viel Energie einsparen kann. Diese Methodik, im Filmjargon als Virtual Production bezeichnet, kann auch auf industrielle Planungs- und Betriebsvorhaben angewandt werden.
Games und immersive Medien profitieren umgekehrt von Innovationen aus anderen Branchen. Können Sie Beispiele nennen, wie sich diese Bereiche gegenseitig inspirieren und weiterentwickeln?
Das findet bereits alles statt. Industrielle Metaverse Anwendungen werden meist auf dem Datenformat USD (Universal Scene Description) entwickelt. Dieses Open-Source-Datenformat und diese Szenenbeschreibung wurden ursprünglich von Disney/Pixar für den Einsatz im Animationsfilm erfunden.
In Ihrer Arbeit beschäftigen Sie sich mit virtuellen Welten und immersiven Technologien. Welche Rolle spielen VR und verwandte Technologien künftig für die Entwicklung neuer Produkte, Dienstleistungen oder Erlebnisse?
VR für den Endverbraucher wird vermutlich keine Durchdringung erfahren wie 2007–2013 Smartphones. Es kristallisiert sich heraus, dass vor allem Trainings und Kollaborationsprozesse vom VR Einsatz profitieren und einen echten Mehrwert liefern können. In der filmischen Planung (Previs) und virtuellen Produktion ist VR ein etabliertes Tool. Zum Einsatz digitaler Drehorte und Locations findet dazu gerade das Projekt VISTA am Carl Laemmle Institut statt.
Welche Voraussetzungen machen den Standort Baden-Württemberg aus Ihrer Sicht stark für die Entwicklung immersiver Technologien?
Wir haben sehr gute Hochschulen und Forschungseinrichtungen sowie einen starken industriellen Mittelstand. Dazu kommen die umfangreichen KI-Aktivitäten des IPAI, der KI-Allianz und des Cyber Valley, von denen hoffentlich in Zukunft noch mehr Forschungseinrichtungen profitieren werden. Alles in allem gute Aussichten für starke Akzente in immersiven Technologien und Erfahrungen.
Wenn die Teilnehmenden nach der Masterclass nur eine zentrale Erkenntnis mitnehmen sollen: Welche wäre das?
Dass es ein konkretes Angebot zur Unterstützung bei Fragen und potenziellen Innovationsvorhaben rund um die Themen Industrial Metaverse und Extended Reality gibt. Interessierte KMU können sich im Rahmen von Quick Checks bewerben. Weitere Informationen unter: https://cli.filmakademie.de/en/research/projects/living-lab-metaverse
Die Filmakademie BW präsentiert auch VR-Games im Rahmen der CYBERLÄND FUTUROMUNDO. Auf welche Erlebnisse können sich die Teilnehmenden dort freuen?
Wir stellen am Freitag, dem 26. Juni, im Meidinger Saal die Multiplayer Experience Fate of the Minotaur aus. Dabei schlüpfen die Spieler in die Rolle von Menschenopfern aus Athen, die von Minos, dem König von Kreta, in das Labyrinth des Minotaurus geschickt werden. Das Erlebnis behandelt die universellen Themen Schuld und Scham, während die Spieler die tragische Familiengeschichte hinter dem antiken griechischen Mythos kennenlernen.






