Globale Trends aus Herrenberg gestalten: Roman Klis im Interview

Die Agentur ROMAN KLIS mit Hauptsitz in Herrenberg ist in über 90 Ländern aktiv. Ihr Inhaber und Geschäftsführer spricht mit uns über internationale Trends, den Standort Baden-Württemberg und den Vorteil von interkulturellen Teams.

Grafik mit den Worten "Hier gemacht" und einem Mann mit Glatze im Anzug, der freundlich lacht.
Roman Klis, Gründer und Geschäftsführer der gleichnamigen Agentur mit Hauptsitz in Herrenberg. | © ROMAN KLIS / MFG Baden-Württemberg
Außenansicht eines Gebäudes, in der Mitte ein großes Glaskubus.
ROMAN KLIS Headquarters in Herrenberg. | © ROMAN KLIS
Innenansicht von modernen Büroräumen.
Die Malediven des Designs: Ein Raum für Kreativität mit über 3000 Grünpflanzen. | © ROMAN KLIS
Innenansicht eines Büros mit farbigen Sitzelementen und geschwungenen Linien.
Die Pflanzen, farbige Elemente und viel Tageslicht schaffen eine angenehme Arbeitsatmosphäre. | © ROMAN KLIS
| Herrenberg

Mit unserer Reihe “Hier gemacht” holen wir Hidden Champions der Kultur- und Kreativwirtschaft aus Baden-Württemberg ins Rampenlicht. Unternehmen und Personen, die im Land verwurzelt und weltweit gefragt sind – mit Ideen, die überraschen, verbinden und inspirieren. 

Dieses Mal im Fokus: Roman Klis. Seine gleichnamige Agentur mit Hauptsitz in Herrenberg arbeitet sowohl für internationale Konzerne und regionale Unternehmen als auch für Start-ups und entwickelt Strategien für Märkte in über 90 Ländern. Im Gespräch erklärt der Gründer und Geschäftsführer, warum der Standort Baden-Württemberg ideal für globale Markenarbeit ist, wie kulturelle Vielfalt Innovation fördert – und warum Marken heute mehr denn je Haltung und Identität brauchen.

Herr Klis, Sie haben Büros in Hamburg, Berlin, Istanbul, New York und Jeddah. Der Großteil Ihrer Mitarbeiter*innen sitzt aber in Herrenberg. Wie kam es zu dieser Standortwahl?

Ich bin hier aufgewachsen und habe eine persönliche Bindung zur Region. Viel wichtiger ist inzwischen aber: Wir arbeiten international und sind viel unterwegs. Bei unseren Reisen und Gesprächen mit internationalen Kunden bekommen wir viele Trends mit, erfahren aber auch viel Trubel. Ich war kürzlich drei Wochen in New York, da herrscht eine extreme Energie und Hektik. In Herrenberg können wir uns fokussieren und alles, was wir unterwegs an Eindrücken gesammelt haben, verarbeiten. Hier haben wir Work-Life-Balance und eine Ruhe, die kreatives Arbeiten möglich macht.

Sie arbeiten mit Kund*innen aus unterschiedlichsten Ländern. Warum kommen diese ausgerechnet zu Ihnen statt sich lokaler zu orientieren?

Das wirkt auf den ersten Blick eigentlich absurd. Als gäbe es nicht weltweit auch andere gute Agenturen. Aber vieles läuft über Empfehlungen. Das letzte Projekt ist immer die Referenz für das nächste. Wir haben zudem einen starken Fokus auf Lebensmittel, sogenannte “Fast Moving Consumer Goods”. In diesem Segment sieht man innerhalb kürzester Zeit, ob etwas funktioniert und ob unsere Arbeit Wachstum generiert oder nicht. Und bei aller Bescheidenheit: Darin, Marken signifikant zum Wachstum zu verhelfen, sind wir sehr gut. 

Von der Eiscrememarke in Saudi-Arabien bis hin zu Ihrer Arbeit für eine Eismanufaktur im Schwarzwald: Was lernen Sie aus der Arbeit in und mit unterschiedlichen Kulturen über Markenwahrnehmung?

Wir nehmen wahr, dass unser Ästhetikempfinden durch die sozialen Medien global immer ähnlicher wird. Was wir als schön empfinden, wird austauschbarer. Aber wir brauchen nicht “more of a kind”, sondern “more one of a kind”, also mehr Einzigartigkeit. Um zu verstehen, was Menschen wirklich bewegt und wie wir Marken zu nachhaltigem Erfolg verhelfen können, haben wir uns angeschaut, welche Marken schneller und gegen den Trend wachsen und warum. Aktuell ist es zum Beispiel der Eskapismus auf der einen Seite – also das Bedürfnis, dem Alltag zu entfliehen und Besinnung an Herkunft und Tradition auf der anderen Seite – also das Bedürfnis nach kultureller Zugehörigkeit – um nur zwei Beispiele zu nennen. Diese Erkenntnisse übersetzen wir in starke Markenkonzepte, die sich schützen lassen – denn wenn ein Konzept erfolgreich ist, wird es schnell kopiert. 

Wie schaffen Sie es, diese kulturelle Zugehörigkeit bei globalen Marken aufzugreifen?

Häufig ist es so, dass die Markenidentität global gestaltet wird oder für die Länder, in denen sie relevant ist. Und dann arbeiten wir mit unserem sogenannten Orbit-Modell, bei dem wir die Bedürfnisse der Menschen in den jeweiligen Ländern berücksichtigen und zum Beispiel das Design oder Portfolio entsprechend adaptieren. Ein gutes Beispiel ist Nescafé: Für den türkischen Markt haben wir mit ihnen ein Produkt entwickelt, das traditionellen Mokka aufgreift – also eine lokale Kaffeezubereitung, die man dort kennt und schätzt. In Saudi-Arabien war es ähnlich: Dort haben wir eine Version entwickelt, die sich am arabischen Kaffee orientiert. Das hat jeweils sehr gut funktioniert.

Welche Rolle spielen interkulturelle Teams in Ihrer Arbeit – und wie wichtig ist kulturelle Vielfalt für gute Ideen?

Ich war kürzlich zu Besuch bei der Designabteilung eines großen Konzerns. Dort arbeiteten überwiegend Männer im Alter zwischen 50 und 60, alle mit ähnlichem Hintergrund. Früher mag das funktioniert haben, kann aber heutzutage meiner Meinung nach nicht mehr sinnvoll sein. In unserem Team arbeiten Menschen aus über 30 Nationen verschiedenster Altersgruppen und diese Vielfalt ist entscheidend für unsere Arbeit. Jede und jeder blickt mit seinem Hintergrund auf eine Marke und ein Produkt und stellt unterschiedliche Fragen. Dabei gibt es erst einmal kein richtig oder falsch, aber die unterschiedlichen Perspektiven führen zu mehr Kreativität und innovativeren Herangehensweisen.

Gibt es auch einen regionalen Einfluss? Einen „südwestdeutschen Blick“ auf Marken?

Eher indirekt: Es gibt eine ehrliche Bodenständigkeit und die hilft tatsächlich sehr bei der Markenfindung. Die Lebensrealität der Mehrheit der Menschen in Deutschland und in vielen anderen Ländern spiegelt sich in den Strukturen in Südwestdeutschland wider, nämlich viele Städte und Gemeinden von kleinerer und mittlerer Größe. Berlin ist auch eine Realität aber eben nicht die der Mehrheit. Wir decken über unsere Standorte beide beziehungsweise unterschiedliche Realitäten ab.

Dann ist Baden-Württemberg der ideale Standort für Sie?

Ich finde es super, dass man hier bescheiden, aber ambitioniert ist. Das Unternehmertum ist hier groß und die Menschen unterstützen sich gegenseitig – ganz selbstverständlich. Das scheint Teil der Ur-DNA der Schwaben zu sein. Außerdem redet man Dinge hier nicht schön, sondern ist direkt und erhält dadurch ehrliches Feedback. Das schätze ich sehr.

Ihre Agentur ist stark gewachsen – wohin geht die Reise?

Der größte Traum ist, dass das Unternehmen in die nächste Generation geht. Wir wollen als Agentur Bestand haben, auch ohne mich. Wir sind gekommen, um zu bleiben und wollen die größte inhabergeführte Agentur in unserer Disziplin weltweit werden. 

Quelle: Vlora Kleeb / MFG Baden-Württemberg
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