27 Milliarden Euro Umsatz: Kultur- und Kreativwirtschaft bedeutender Wirtschaftsfaktor in BW

Die Landesregierung berichtet: Die KKW in Baden-Württemberg treibt Innovation voran und ist Spitzenreiter beim Thema Digitalität. MFG spielt wichtige Rolle bei der Förderung der Branche im Land.

Screenshot der Studie mit Grafik einer Frau die eine Statistik auswertet
Der Bericht der Landesregierung unterstreicht die Bedeutung der Kultur- und Kreativwirtschaft im Land. | Grafik: MFG Baden-Württemberg

Alle zwei Jahre wird dem Landtag ein Bericht der Landesregierung zur Kultur- und Kreativwirtschaft (KKW) in Baden-Württemberg vorgelegt. Das Strategiepapier hilft den Entscheidungsträger*innen in der Politik, zu beurteilen, wie sie die Kultur- und Kreativwirtschaft in Baden-Württemberg am effektivsten fördern sollten. Der Landtagsbericht wird unter der Federführung des Ministeriums für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus Baden-Württemberg und unter Beteiligung des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg sowie den weiteren zuständigen Ministerien erstellt.

Der 7. Bericht der Landesregierung zur Kultur- und Kreativwirtschaft in Baden-Württemberg (Drucksache 17 / 5354) liefert aktuelle Kennzahlen der KKW im Land, zeigt auf, welche Maßnahmen in den vergangenen Jahren umgesetzt wurden und gibt der Politik und den Fördereinrichtungen Handlungsempfehlungen für die Zukunft auf den Weg. Der MFG Medien- und Filmgesellschaft Baden-Württemberg kommt dabei eine zentrale Rolle als Landesagentur und Kompetenzzentrum für die Kultur- und Kreativwirtschaft zu.

So lauten die neuen Handlungsempfehlungen

Die MFG und andere Akteur*innen und Fördereinrichtungen im Bereich der Kultur- und Kreativwirtschaft konnten in den vergangenen Jahren einige Projekte zur Stärkung der KKW in Baden-Württemberg umsetzen. Es besteht allerdings weiterhin Förderungs- und Optimierungsbedarf. Im Landtagsbericht finden sich deshalb auch neue Handlungsempfehlungen. Sie lauten wie folgt:

  • stärkere Einbeziehung von Kreativleistungen in bestehende Förderprogramme
  • Sichtbarkeit und strategische Positionierung der Branche in Baden-Württem­berg und Vernetzungsmöglichkeiten weiter stärken
  • Cross-Innovation und Kooperation der Branche fördern und Games als Kultur­gut und cross-innovative Zukunftsbranche in Baden-Württemberg weiter aus­bauen
  • Kultur- und Kreativschaffende jenseits der Ballungsgebiete im Ländlichen Raum unterstützen und Vernetzung innerhalb der Branche und zu anderen Wirtschafts­branchen schaffen
  • Entrepreneurship sowie Nachwuchs- und Fachkräfte in den kreativen Berufen und insbesondere in den (hoch-)spezialisierten technologischen und sich dyna­misch entwickelnden Kreativbranchen (Games, VFX, Animation, immersives Design, Kommunikationsdesign) durch Vernetzung der Hochschulen im Land und gezielte Qualifizierungsprogramme fördern
  • strategische Weiterentwicklung der Medien- und Filmgesellschaft mbH Baden-Württemberg zu einer landesweiten Kreativagentur (MFG).

Bei der Umsetzung, so der Bericht, könnten beispielsweise Projekte wie die Neuauflage des Projekts THE CREÄTIVE HOUSE oder die Umsetzung der Handlungsempfehlungen, die die KreativLand-Studie 2024 liefern wird (s.u.), helfen.

Die MFG soll als landesweit sichtbare Kreativ­agentur, als Kompetenzzentrum und erste Anlaufstelle für interessierte Unternehmen, Einrichtungen, Ver­bände, Kammern, Kommunen und Politik auf dem Gebiet der Kultur- und Krea­tivwirtschaft agieren und gestärkt werden.

27 Milliarden Euro Umsatz und 207 000 Beschäftigte

Der Bericht geht auch darauf ein, warum die Kultur- und Kreativwirtschaft in Baden-Württemberg so relevant ist.

Die Branche hat im Jahr 2021 Umsätze in Höhe von rund 27 Milliarden Euro erwirtschaftet, mehr als beispielsweise in der Pharma- (26,3 Milliarden Euro) oder der Chemischen Industrie (15,5 Milliarden Euro). Rund die Hälfte dieses Betrags erwirtschaftete die Software- und Gamesbranche. Mit ihren elf Teilmärkten ist die KKW ein bedeutender Wirtschaftsfaktor des Landes.

Das zeigt sich auch an der Anzahl der Unternehmen und Beschäftigten. Im Jahr 2021 waren in der Kultur- und Kreativwirtschaft insgesamt rund 27 000 Unternehmen gemeldet, alles in allem mehr als beispielsweise im Gastgewerbe.

Im vergangenen Jahr beschäftigte die Kultur- und Kreativwirtschaft in Baden-Württemberg rund 207 000 Menschen, etwa 85 Prozent der Beschäftigten im Bereich Fahrzeugbau. Damit sind, führt der Bericht aus, fast doppelt so viele Personen in der Kultur- und Kreativwirtschaft tätig wie in der Pharmaindustrie, der Energieversorgung und der Chemischen Industrie zusammen (insgesamt rund 110 000).

Neben dem Gastgewerbe und dem Tourismus zählt sie laut des Berichts zu den wirtschaftlich am stärksten durch die Pandemie betroffenen Branchen. Viele kleinere Teilmärkte werden voraussichtlich in den nächsten Jahren unter ihrem Vor-Corona-Niveau bleiben, insgesamt wird aber prognostiziert, dass die KKW weiter zulegt.

Hohe Innovationskraft und Spitzenreiter bei Digitalität

„Bereits vor der Pandemie hat die Kultur- und Kreativwirtschaft viele digitale Transformations- und Innovationsprozesse angeführt“, heißt es in dem Bericht. Mit ihrer hohen Wand­lungs- und Anpassungsfähigkeit trage sie in Baden-Württemberg entscheidend da­zu bei, den wirtschaftlichen Wandel und das zukunftsrelevante Feld der Digitalisierung und Künstlichen Intelligenz erfolgreich mitzugestalten und gehöre deshalb zu den Grundpfeilern des wirtschaftlichen Erfolgs. Auch beim Thema Digitalisierung gehöre die KKW zu den Spitzenreitern. Das betont auch der „Monitoring-Report Wirtschaft DIGITAL Baden-Württemberg 2023“.

Top-Platzierungen bei Gründungen

Im bundesweiten Ländervergleich belegt die baden-württembergische KKW Top-Platzierungen im Gründungsgeschehen. Bei Gründungen im Architekturmarkt liegt Baden-Württemberg auf dem zweiten Platz hinter Nordrhein-Westfalen. In der Designwirtschaft, dem Kunst- und Werbemarkt belegt Baden-Württemberg den dritten Platz. Den vierten Platz nimmt Baden-Württemberg flächendeckend im Film-, Games-, Musik-, Buch- und Pressemarkt, in der Rundfunkwirtschaft und im Markt für Darstellende Künste ein.

Umsetzung von alten Handlungsempfehlungen: Was wurde erreicht?

Neben der Bereitstellung der neuen Handlungsempfehlungen sowie Daten und Zahlen zur KKW in Baden-Württemberg geht der Landtagsbericht auch darauf ein, inwiefern die Handlungsempfehlungen aus dem vorangegangenen Bericht von 2021 umgesetzt wurden.

Im Folgenden ein kurzer Umriss der bisherigen Handlungsempfehlungen mit Projekten, die die MFG im Auftrag des Landes und verschiedener Ministerien umgesetzt hat. Im Landtagsbericht finden sich weitere spannende Daten, Projekte und ausführliche Berichte.

Stärkung der Wettbewerbsposition und Sichtbarkeit der KKW in Baden-Württemberg, Räume für Kreativität und Kreative schaffen

Cross-sektorale Vernetzung, Start-ups und innovative Gründungsvorhaben fördern sowie niedrigschwellige Fördermaßnahmen und nicht-technische In­novationen ermöglichen

  • Bis Anfang 2023 die Initiative Creatables zur Stärkung der branchenübergreifenden Kooperation
  • GamesBW: Förderung der Gamesbranche in Baden-Württemberg, 2023 mit einem Fördervolumen von 1,1 Millionen Euro sowie anderweitige Unterstützung von Unternehmen aus der Gamesbranche mit Vernetzungs- und Konferenzveranstaltungen, den GamesHubs und dem Developer Boost, einem Coachingprogramm für Gründer*innen
  • KI als Kreativbooster, eine Veranstaltungsreihe, die zum Wissenstransfer einlädt und einen Fokus auf die Potenziale von Künstlicher Intelligenz in der Kultur- und Kreativwirtschaft legt
  • Niederschwellige Vernetzungsveranstaltungen und Angebote wie die Orientierungsberatung, die Open Stage Games BW, die Open Stage Kreativ BW und das M3-Medienmacher*innen Meetup
  • Das Beratungs- und Weiterbildungsangebot Zukunftsstark für Kultureinrichtungen

Ausbildung, Forschung und Entwicklung an den Schnittstellen der Kultur- und Kreativwirtschaft fördern

  • HOLA, das Hochschulübergreifende Labor für kooperatives Arbeiten, adressiert seit 2016 Hochschule und Universitäten im Land und hat sich die gemeinsame Entwicklung und Umsetzung von hochschulübergrei­fenden Kooperationsmaßnahmen als Ziel gesetzt, zuletzt mit einem Fokus auf Serious Games

Den Bericht sieht die MFG Baden-Württemberg als Ansporn, die Kultur- und Kreativwirtschaftsförderung strategisch weiter auszubauen und mit ihren Projekten und Angeboten, die Branche und ihre Akteure und Unternehmen bestmöglich und nachhaltig zu unterstützen.

Quelle: Vlora Kleeb / MFG Baden-Württemberg

Mehr Infos: 

7. Bericht der Landesregierung zur Kultur- und Kreativwirtschaft in Baden-Württemberg

Die Kultur- und Kreativwirtschaft in Baden-Württemberg

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