Wie küsst die Muse trotz Maskenpflicht?

Kreatives Schaffen in Krisenzeiten: die freie Performance-Künstlerin Dijana Hammans im Interview

Dijana Hammans in Aktion
Kreativ im öffentlichen Raum: Dijana Hammans in Aktion | Bild: Popbüro Stuttgart / Ferdinando Iannone

Wie bleibt man in der Krise kreativ? Diese Frage begleitet Kreativschaffende, Kultur- und Kunstszene schon eine Weile. Wie erhält man sich die schöpferische Schaffenskraft nach zwei zermürbenden Jahren mit Lockdowns, Kontaktbeschränkungen, immer wieder verschobenen Veranstaltungen, aber auch kurzen Episoden des Aufatmens. Damit hat sich auch die  Kampagne #bwbleibtkreativ der MFG Baden-Württemberg und ihrer Partner ausführlich beschäftigt, Interviews geführt, Podcasts abgemischt und Videoportraits veröffentlicht – von Kreativen für Kreative.

Aber was macht man eigentlich, wenn die eigene Kunst ausgerechnet von der Magie der persönlichen Begegnung lebt? Wie küsst die Muse trotz Maskenpflicht? Die MFG Redaktion hat Dijana Hammans, Kreativcoach, Schrift- und Performancekünstlerin aus Stuttgart befragt, die auch beim nächsten MFG KreativTREFF am 21. März 2022 Einblicke in ihre Kreativprozesse gibt. Im Interview verrät sie, wie sie in diesen Zeiten Schaffenskraft schöpft und weiter vor Kreativität sprüht.

Wer sind Sie und was machen Sie? Was ist Ihre Superpower?

Mein Name ist Dijana Hammans und ich bin freie Künstlerin und Create Coach aus Stuttgart. Seit ich einen Stift halten kann, liebe ich Buchstaben und schöne Schrift. Leidenschaftlich beschrifte ich alles mit allem und gebe Worten, Namen, Gedanken und Ideen eine schwungvolle Form. Eine weitere Superkraft: Mit offenem Blick entdecke ich besonderes im Alltäglichen. Diese Entdeckungen fange ich mit meiner Kamera ein und verarbeite sie zu farbenfrohen und humorvollen Collagen. 

Bevor ich mich in die Selbstständigkeit gewagt habe, war ich 15 Jahre in der Automobilbranche unterwegs – vom Prozessmanagement bis hin zu User Experience Design. Zuletzt habe ich als Design Thinking Coach Menschen dabei bestärkt, ihre Neugier und Kreativität wieder zu erwecken und zu nutzen. Das führe ich nun auch als selbstständiger Coach fort und biete daneben „Graphical Recording“ an. Da kann ich meine Kunst mit meiner Berufserfahrung wundervoll verbinden.

Ihre Kunst lebt von der persönlichen Begegnung – wie haben Sie die letzten zwei Jahre überstanden? 

In dieser besonderen Zeit habe ich zunächst die Ruhe und Isolation genossen, um zu verarbeiten, was gerade los ist und mich zu sortieren. Das verlangsamte Tempo der Welt durch den Lockdown hat 2020 in den ersten Wochen echt gut getan (obwohl alle Aufträge zunächst weg waren). Ich habe dann überlegt, wie ich Menschen, wenn sie alleine spazieren waren, trotzdem miteinander in Verbindung zueinander bringen kann. So entstand die Idee, Schaufenster interaktiv begleitet via Live-Stream-Übertragung zu beschreiben und zu gestalten. So konnten Teilnehmende, die mir hier Worte und Botschaften mitgaben, sie später beim Spaziergang am Fenster suchen. Aus der Not heraus habe ich so ein neues künstlerisches Format entwickelt. Das ist wohl die beste Strategie: Sich mit neuen Ideen der Lage anzupassen und versuchen, einfach das Beste daraus zu machen. 

Wie schöpfen Sie Schaffenskraft auch in der Isolation? 

Als Künstlerin bin ich auch schon vor der Pandemie oft gern einmal allein gewesen und brauchte das auch. Das Wichtigste ist, ins Machen zu kommen und sich dem kreativen Prozess hinzugeben. Oft entsteht aus einer anfänglichen Idee am Ende etwas ganz Neues und Unerwartetes. Zudem habe ich mir verschiedene Techniken angeeignet, um wieder in den Flow zu kommen. Wichtig ist, mir bewusst zu machen: Der „Flow“ lässt sich nicht immer erzwingen. Und dann ist die Pause eine wichtige Medizin.
 
Wie gehen Sie konkret vor, um weiterhin kreativ zu sein und Neues zu schaffen? 

Das sind eigentlich die ganz einfachen Dinge und Methoden! Besonders das Spazieren in Natur und Stadt inspiriert mich immer wieder zu neuen Ideen. Mehr dazu verrate ich in meinem Vortrag am 21. März 2022.

Wie stellen Sie Kontakt zu Ihren Mitmenschen her? 

Das kommt mir manchmal fast magisch vor: Sobald ich das Haus verlasse, gerate ich in viele Begegnungen, das passiert quasi von alleine. Bei jedem Spaziergang oder sogar beim Gang zur Bushaltestelle lerne ich Menschen kennen. Selbst wenn mir nicht unbedingt danach ist. Mir fällt dabei immer wieder auf, dass jeder Austausch wertvoll ist und das Leben bereichern kann. 

Aber wie war das in Zeiten von Abstandsregelungen und Kontaktbeschränkungen?

Das ist tatsächlich immer so! Auch mit dem ganzen Abstand – es ist unglaublich. Ich habe meine Freunde und Familie gefragt, woran das liegen könnte. Sie sagen, es sei meine offene Ausstrahlung und meine spezielle Art, Fragen zu stellen. 

Und was können Sie anderen empfehlen? 

Ich kann tatsächlich empfehlen, gute und offene Fragen zu stellen und zuzuhören. So viel können wir dadurch von unseren Mitmenschen lernen. Es gibt ein schönes Sprichwort: „Wir haben zwei Ohren und einen Mund. Wir sollten sie in dem Verhältnis nutzen.“

Erst Pandemie, dann Krieg – die Nachrichten bleiben bedrückend. Was tun, wenn einen die Weltlage zu sehr beschäftigt? 

Es ist gerade viel und da ist Geduld mit anderen und mit sich selbst gefragt. Ich beschäftige mich zunächst sehr intensiv damit, da ich gerne alles verstehen will. Dann brauche ich aber dringend eine Pause davon und greife in meine emotionale und kreative Zauberkiste, um „Doom-Scrolling“ und Weltschmerz zumindest ein Stück weit zu entkommen. 

MFG KreativTREFF: Die Austauschplattform für Solo-Selbständige

Kontakte knüpfen und sich austauschen: Der MFG KreativTREFF ist das Networking-Event für alle Kultur- und Kreativschaffenden im Land, bei dem sie mit Vertreter*innen verschiedener Kreativbranchen ins Gespräch kommen können. Solo-Selbstständige und Kleinstunternehmer*innen berichten in kurzen Impulsvorträgen von ihren Projekten und Erfahrungen, geben Tipps und Inspiration. Beim nächsten Treff am 21. März 2022 ist Dijana Hammans mit dem Thema „Wenn nichts mehr geht und doch alles muss – Von Sichtschnipseln und Wortwechseln“ dabei. 

Die MFG Kreativ informiert außerdem über aktuelle Fördermaßnahmen und Unterstützungsangebote. Beim anschließenden Get-together haben die Teilnehmenden die Möglichkeit, sich zu vernetzen und ihre Anliegen mit anderen zu teilen – vielleicht wird auch schon eine Idee für das nächste gemeinsame Projekt entwickelt.
 
Interview: Ines Goldberg

Mehr Infos:

Zur Anmeldung 
Website Dijana Hammans
#bwbleibtkreativ
KreativTREFF

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