Medien- und Filmgesellschaft Baden-Württemberg

Bewegt Nachhaltigkeit die Kreativen?

Neue Reihe: Unternehmer*innen aus Baden-Württemberg erzählen, welche Rolle nachhaltige Geschäftsmodelle in der Kreativwirtschaft spielen

Symbolbild Umweltschutz: Baum
Was Nachhaltigkeit für kreative Unternehmen bedeutet, beleuchtet die MFG in einer neuen Themenreihe. | Bild: Pixabay

Sustainability oder Nachhaltigkeit kann vieles sein: Ressourcenschonung und Klimaschutz, Social Awareness und Social Entrepreneurship, Green Shooting und Green Art. Grüne Themen bewegen die Gesellschaft. Nachhaltigkeit ist zum Kampfbegriff einer neuen Jugendbewegung geworden, hat Einzug in den politischen Mainstream gehalten, bringt einen neuen Lebensstil mit sich. Und auch die Wirtschaft hat das Thema für sich entdeckt, zum Teil aus Notwendigkeit, zum Teil aus Überzeugung.

Was bedeutet das für die Kreativwirtschaft? Wie können nachhaltige Geschäftsmodelle aussehen? Was bringt eine nachhaltige Orientierung – neben einem guten Gewissen? Sind kreative Unternehmen mit ihren flexiblen Strukturen und unkonventionellen Denkweisen vielleicht sogar besser aufgestellt für die Anforderungen einer grünen Zukunft? Die MFG-Redaktion befragt dazu Unternehmer*innen aus Baden-Württemberg, die sich mit dem Thema Nachhaltigkeit beschäftigen.

Den Anfang der neuen Reihe machen Jan Zipse von Brainspin und die soome-Designerin Jessica Padmanabhan, beides IDEENSTARKE. Die Freiburger Agentur Brainspin GmbH entwickelt nachhaltige E-Commerce Lösungen für Start-ups und den Mittelstand und setzt dafür ressourcenschonenden Code ein, der auf klimaneutralen Servern gehostet wird. soome kreiiert ökologische und sozialverantwortlich gefertigte Mode und betreibt in Mannheim einen Ecoshowroom. Das Biolabel lässt in kleinen Manufakturen in Deutschland fertigen und arbeitet mit zertifizierten Stoffen und Naturmaterialien.

Warum Nachhaltigkeit – was ist eure Motivation?

Jessica Padmanabhan: Mode und deren Konsum ist eine der schlimmsten Umweltsünden der Menschheit. Wir wollen ein Bewusstsein dafür schaffen, dass es Alternativen gibt.

Jan Zipse: Im Grunde ist es undenkbar, in unseren Zeiten sein Unternehmen nicht im Sinne der Triple-Bottom Line auszurichten (sozial und ökologisch verantwortlich sowie wirtschaftlich erfolgreich, angelehnt an die Social Corporate Responsibility, Anm. d. Red). Wir wollen mit unserem Kerngeschäft zu einer nachhaltigen Entwicklung beitragen, die unter anderem die Lebensgrundlage für künftige Generationen sicherstellt, aber auch ein Bewusstsein für Nachhaltigkeit im digitalen Kontext schafft.

Wie ist die Resonanz auf eure nachhaltige Orientierung?

Zipse: Einheitlich positiv, auch wenn zu Beginn etwas Aufklärungsarbeit geleistet werden muss. Vielen ist bisher nicht bewusst, dass unsere Onlineaktivitäten einen großen ökologischen Fußabdruck haben, vergleichbar etwa mit dem globalen Luftverkehr. Stellt man sich das Internet als Land vor, würde es in den Top Ten der Länder mit dem größten CO2-Ausstoß landen. Mittlerweile möchten jedoch immer mehr Verbraucher*innen nachhaltiger konsumieren, um ihre Ökobilanz zu verbessern, somit muss der Online-Handel, vielmehr wir als Entwickler im eCommerce ökologische Verantwortung übernehmen.

Padmanabhan: Das stimmt, das Interesse am nachhaltigen Konsum ist gestiegen. In den letzten Jahren hat sich unheimlich viel getan. Die FastFashion Industrie hat aktuell zu kämpfen, vielleicht auch, weil doch weniger dort kaufen. Hinzu kommen viele neue nachhaltige Labels, neue Materialien und Produktionsstätten, die den Produktionskreislauf vervollständigen.

Könnt ihr als Kleinunternehmen Nachhaltigkeit anders leben als große Konzerne?

Zipse: Nein, alle können einen Beitrag leisten. Möglicherweise hat ein Konzern aber mehr Möglichkeiten, da Entscheidungen und Synergien eine größere Auswirkung haben. Ein vegetarisch/veganes regionales/saisonales Angebot in der Kantine oder ein papierloses Büro haben bei einer großen Belegschaft einen größeren Impact. Die kleinen Unternehmen dagegen haben häufig eher eine experimentelle Vorreiterfunktion.

Padmanabhan: Ich finde schon, dass wir konsequenter sein können als große Konzerne und zum Beispiel Prozesse schneller ändern. Ich bin mir allerdings nicht sicher, ob das immer von Vorteil ist. Wirtschaftlicher ist es nicht unbedingt. Risiken sind auf jeden Fall: Vorproduktionen, die dann keiner kaufen will, oder das Aufgreifen von Trends, die dann schnell wieder vorbei sind.

Wo liegt eure größte Herausforderung? 

Padmanabhan: Absatzmarkt und Vertrieb sind für uns die größte Herausforderung. Mit Business- und Abendmode im nachhaltigen Modesegment haben wir eine Nische in der Nische besetzt. Da geht es für uns immer wieder darum: Wo finden wir unsere Kunden?

Zipse: Wir sind anspruchsvoll. Wir wollen nicht die größten, wohl aber die besten sein, wenn es um die Entwicklung maßgeschneiderter Shop-Lösungen geht.

Versteht ihr euch als Pioniere?

Padmanabhan: Wir sehen uns nicht als Pionierinnen, andere hatten ähnliche Ideen zur gleichen Zeit. Allerdings waren wir früh dran mit unserer Idee und sind jetzt froh, dass es viele andere gibt, die ähnliche denken und handeln. Das macht Mut.

Zipse: Mit Sicherheit sind wir Vorreiter beim Thema nachhaltiger eCommerce. Deswegen veranstalten wir auch Workshops für Unternehmen und an Hochschulen. Dieses Jahr auch zum ersten Mal für international Studierende. Nachhaltiges Denken und Handeln ist eine Herausforderung und Chance zugleich, sich selbst und die eigene Branche zu optimieren.

Euer Fazit: Kreativ und nachhaltig – passt das zusammen?

Padmanabhan: Eigentlich gut, denn wer neue Wege gehen will, muss kreativ denken und über den Tellerrand schauen. Es ist wichtig, neue Bereiche zu entdecken und von anderen Disziplinen zu lernen – und das können Kreative gut.

Zipse: Genau, Querdenken ist wichtig für die Zukunft. Gerade durch eine kreative Herangehensweise bzw. „Thinking out of the box“ entstehen nachhaltige Lösungen und Ziele.

Nachhaltigkeit, Innovation und digitale Transformation

Auch die MFG Baden-Württemberg möchte sich künftig stärker mit dem Thema Nachhaltigkeit befassen. Neben der Initiative Green Shooting, mit der die MFG Filmförderung ressourcenschonendes Drehen unterstützt, plant die MFG Kreativ Vernetzungsmaßnahmen und Veranstaltungen rund um Nachhaltigkeit und Innovation für Kreativschaffende, KMU, Start-ups und Hochschulen. Weitere Infos folgen.

Interview: Ines Goldberg

Mehr Infos:

 Brainspin
soome 
Green Shooting 
Triple Bottom Line

Themenreihe nachhaltig-kreativ: 

Wie Games soziales Bewusstsein schaffen
Reden wir über Werte

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