Medien- und Filmgesellschaft Baden-Württemberg

Ganz großes Kino

Beim HOLA Innovation Pitch präsentieren vier interdisziplinäre Teams ihre Ideen für die Challenges von vier Kultureinrichtungen – und überraschen die Zuschauer*innen nicht nur mit Popcorn

Gruppenfoto Gewinnerteam HOLA Challenge
Das Gewinnerteam "Kinoerlebnis" mit den Juror*innen beim HOLA Innovation Pitch  | Bild: MFG / Rox

Am Ende müssen vier Monate Arbeit in zehn Minuten passen: Was macht ein Kulturabo attraktiv? Wie sieht das Kino der Zukunft aus? Wie bringt man Menschen ins Museum, physisch oder virtuell? Interdisziplinäre Teams haben die Challenges von vier Kultureinrichtungen im Rahmen des HOLA-Programms der MFG Baden-Württemberg mit der Design-Thinking-Methode bearbeitet. Zur Präsentation beim HOLA Innovation Pitch reichen sie Popcorn und Pizza, begeistern mit ihren frischen Ideen – und sind selbst von dem Programm begeistert.

„Staunen, was in interdisziplinären Teams steckt“: Das Motto des Abends drückt sich schon in den vier Pitches aus. Der angehende Politik- und Verwaltungswissenschaftler Niklas Knezevic aus Konstanz erläutert am Beispiel seiner Mutter, wie das Kulturabo der Kulturgemeinschaft Stuttgart für neue Zielgruppen attraktiv werden kann. Dabei geht es nicht zuletzt um das gemeinsame Erleben von Kultur. Die Gruppe, die die „alten Schätze“ des Archäologischen Landesmuseums Konstanz für vielbeschäftigte mittelalte Besucher*innen vermitteln will, wirbt für eine Art Museums-Wahlomat, der am Eingang die Bedürfnisse abfragt und individuelle „Reiseführer“ fürs Museum ausdruckt. Eine dritte Gruppe schlägt der Kunsthalle Baden-Baden unter anderem einen „Art Slam“ vor und verteilt Pizza im Publikum – weil es eine rein digitale Kunstvermittlung ebenso wenig geben kann wie digitales Essen.

Die Sieger*innen denken Kino neu

Den Jury- wie auch den Publikumspreis sahnt am Ende die Gruppe ab, die seit August die Challenge der Stuttgarter Innenstadtkinos bearbeitet hat. Die Betreiber möchten verstärkt junge Menschen ansprechen, die nur noch selten ins Kino gehen. Wie das geht? Mit einem Kinosaal, der sich wie ein WG-Wohnzimmer anfühlt.

Damit gewinnen sie die Herzen der Jury. Das Publikum überzeugt die Gruppe nicht zuletzt mit großen Eimern Popcorn, passend zum Thema. Vor allem denken sie Kino neu – und zwar als gemütliches Wohnzimmer, wo man sich vor dem Film in aller Ruhe einen Platz sucht und nach der Vorführung noch auf ein Getränk sitzen bleibt, statt vom Putzdienst aus dem Saal gekehrt zu werden. Dieser Pitch ist ganz großes Kino – auch für die Betreiberin der Innenstadtkinos, Karin Fritz: „In der jungen Altersgruppe zeichnet sich seit Jahren ab, dass wir die langsam verlieren“, sagt sie. „Da geht es für uns darum, zu erfahren, was diese Gruppe wünscht und fühlt“. Daher seien die Anregungen der vor allem aus Studierenden zusammengesetzten Gruppe so wertvoll für die Innenstadtkinos, so Fritz.

Teilnehmer*innen: harte Arbeit, aber viel gelernt

Das Programm HOLA Design Thinking der MFG kann genau das liefern. Und es soll nicht nur die Challenge-Geber zufriedenstellen, sondern auch die Teilnehmenden. 24 Studierende, Dozent*innen, Professor*innen sowie Professionals von baden-württembergischen Hochschulen und Unternehmen haben 2019 teilgenommen und die strukturierte Kreativmethode Design Thinking erlernt und angewendet. Die Geschichtsstudentin Jule Schmidt beispielsweise, die die Challenge des Archäologischen Landesmuseums Konstanz bearbeitet hat, sagt, beim Design Thinking zähle „die nötige Empathie für jede Zielgruppe – in diesem Fall die mittelalten Museumsbesucher“. Das werde mit der Methode stets aufs Neue verlangt.

Auch Niklas Knezevic hat der interdisziplinäre Zuschnitt der Teams überzeugt. Dank der erstmaligen Teilnahme der Professionals sei auch jemand im Team gewesen, der schon Erfahrungen aus der Berufswelt mitbrachte und auch bereits mit Design-Thinking gearbeitet hatte. „Wir haben uns im Team super verstanden und sind Freunde geworden“, sagt Knezevic. Rückblickend hätten die verschiedenen Methoden und Fähigkeiten das Team weitergebracht – „weil wir ja auch die unterschiedlichen Sichtweisen in unsere Ideen und in den Pitch eingebracht haben“.

Das sieht auch Informatik-Professorin Carmen Winter von der DHBW Stuttgart so, die mit ihrem Team für die Kunsthalle Baden-Baden unter anderem das Konzept eines Art-Slams erarbeitet hat: „Das Team war einfach toll“, so Winter. Die viele Arbeit, die man gerade als Professional erst einmal in den Terminkalender integrieren muss, habe sich definitiv gelohnt.

Auch die Heidelberger Bildungswissenschaftlerin Kristina Deibel berichtet von harter Arbeit für den letztlich erfolgreichen Kino-Pitch. Mehr als 100 Stunden habe jeder in ihrem Team in die Challenge gesteckt, so Deibel. Trotzdem rät sie „auf jeden Fall“ zur Bewerbung beim HOLA Design Thinking 2020: Neben den vielen neuen Methoden und Soft Skills sei „die Erfahrung wirklich einzigartig, mit einem zusammengemixten Team eine unbekannte Aufgabe zu bearbeiten“.

Autor: Jan Georg Plavec

Mehr Infos:

HOLA — Hochschulübergreifen­des Labor für kooperatives Arbeiten
Bildergalerie HOLA Innovation Pitch
Kultur neu gedacht

 

 

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