Medien- und Filmgesellschaft Baden-Württemberg

„Journalismus der Dinge ist Teamarbeit“

Gemeinsam machen, miteinander sprechen: Die MFG Baden-Württemberg veranstaltet am 5. November die Konferenz „Journalismus der Dinge“ im Literaturhaus

Karte Feinstaub Stuttgarter Zeitung
Das „Feinstaubradar“ der Stuttgarter Zeitung ist ein Beispiel für Journalismus der Dinge. Tausende Bürger messen mit selbst gebauten Sensoren die Luftqualität | Bild: stuttgarter-zeitung.de/feinstaub

Datenjournalismus und Internet der Dinge treffen sich und verschmelzen zum Journalism of Things. Das aufkommende Feld vereint journalistische Recherchekompetenz und industrielles Know-how. Am 5. November findet im Literaturhaus Stuttgart die erste Konferenz weltweit zum „Journalismus der Dinge“ statt. Die MFG Baden-Württemberg veranstaltet sie gemeinsam mit den drei Journalisten Hendrik Lehmann (Tagesspiegel Innovation Lab), Jan Georg Plavec (Stuttgarter Zeitung / Nachrichten) und Jakob Vicari (freier Wissenschaftsredakteur).

Im Interview erklärt Jan Georg Plavec, warum es so eine Konferenz braucht – und warum sie nicht nur Journalist*innen anspricht.

„Journalismus der Dinge“: Was ist das?

Wir wollen ausloten, wie das Internet der Dinge, die Vernetzung „intelligenter“ Gegenstände untereinander und mit dem Internet, den Journalismus inspirieren kann – technisch, aber auch mit Blick aufs Datensammeln und Storytelling. Journalismus der Dinge kann ein Sensorenprojekt sein, bei dem wie für das „Feinstaubradar“ unserer Zeitung tausende Bürger mit selbst gebauten Sensoren die Luftqualität messen. Es kann aber auch das Ausspielen von Content auf vernetzten Spielzeugen sein, kollektives Datensammeln oder die Nutzung bereits vorhandener Daten. Zum Beispiel ist eine Vertreterin der Firma Teralytics zu Gast, die anonymisierte Bewegungsdaten von Telefonica-Kund*innenausliest. Das hat enormes Potenzial – nicht nur, aber auch journalistisch.

Und warum braucht es dafür eine eigene Konferenz?

Der Journalismus der Dinge ist grundsätzlich Teamarbeit. Da kommen Datenjournalist*innen, Programmierer*innen, Web Developer, die Maker-Szene, Wissenschaftler*innen und nicht zuletzt die Industrie zusammen. Die kreative Kraft solcher Projekte kommt aus dem Gemeinsam-Machen und auch aus dem Miteinander-Sprechen, weil ja jeder seine eigene Sicht auf die Dinge hat und Nutzen aus solchen Projekten zieht. Das wissen wir Organisatoren alle aus unserer eigenen, täglichen Arbeit. Deshalb versammeln wir die genannten Gruppen für einen Tag im Literaturhaus Stuttgart. Das kann nur gut werden.

Die Journalisten Jan Georg Plavec, Hendrik Lehmann und Jakob Vicari sind Mitveranstalter der Konferenz | Bild: JoT-Con 2019

Was soll denn auf der Konferenz passieren?

Zunächst einmal sollen sich möglichst viele Menschen kennenlernen und gemeinsame Projekte erdenken und anschieben. Darüber hinaus gibt es auf fünf Panels und in neun Workshops reichlich Best-Practice und Gelegenheit zum Selbermachen. Mit Carlo Ratti vom MIT, Massachusetts Institute of Technology, haben wir einen absoluten Top-Speaker. Auf den Podien treffen Investigativjournalist*innen und Wissenschaftler*innen auf engagierte Bürger*innen und Maker sowie Vertreter großer Firmen wie Bosch. Parallel geht es in den Workshops um Sensorenbau für Dummies, es gibt Kurse zum selbstfahrenden Auto und zum automatisierten Texten.

Was erhoffen Sie sich vom „Journalismus der Dinge“?

Journalismus muss relevant bleiben. Das kann unter anderem gelingen, indem der Journalismus neue technische Potenziale nutzt, wie sie durch das Internet der Dinge entstehen. Da können Daten gesammelt und berichtet werden, zu denen die Öffentlichkeit bislang keinen Zugang hatte. Über vernetzte Geräte kann Journalismus auch viel näher als bisher zu den Menschen gelangen. Da tun sich gerade zu viele Möglichkeiten auf, um sie nicht zu nutzen.

Interview: Bernd Hertl

Mehr Infos:

JOT-CON 2019
Manifest zum „Journalismus der Dinge“

Kontakt

 Ulrich Winchenbach
Ulrich Winchenbach

Leiter Projektteam Weiterbildung / Events, Netzwerk Kreativwirtschaft

Unit Kultur- und Kreativwirtschaft

Bitte weitersagen. Teilen Sie diesen Beitrag.