Medien- und Filmgesellschaft Baden-Württemberg

„Tür zu einem riesigen Markt“

Lightword Productions und Ten Eyes media sind Aussteller am Baden-Württemberg-Stand auf der Gamescom. Die Games-Entwickler erzählen, warum es so wichtig ist, in Köln präsent zu sein

Eine Kanonenkugel wird auf eine Burg geschossen
Das Start-up Ten Eyes media präsentiert am Baden-Württemberg-Stand auf der Gamescom 2019 das Virtual-Reality-Game „Fortress Fight VR“ | Bild: Ten Eyes media

Wie kann man in Zeiten von Instagram und YouTube Kommunikationsangebote im christlichen Bereich attraktiver machen? Auf diese Frage bekam Amin Josua, Gründer des Start-ups Lightword Productions in Stuttgart, während eines Unterrichtsprojekts eine klare Antwort. „Junge Menschen interessieren sich durchaus für das Neue Testament“, berichtet der 31-jährige Theologe. „Die Schüler erklärten mir aber auch, dass ihnen die Zugänge dazu nicht entsprächen. Einer schlug ein hochwertiges Game vor, mit dem man die Bibel entdecken kann. Da hat es bei mir Klick gemacht.“ Für den passionierten Gamer war schnell klar: Ein Videospiel wäre genau das richtige Medium, um christliche Botschaften zu vermitteln, zumal es ein solches Projekt weltweit noch nicht gegeben hat. „Digitale Spiele sind eine Kommunikationsstruktur, die von sehr vielen Menschen genutzt wird, von Kirche und Christen bislang aber weitestgehend ignoriert wurde.“

Ändern soll sich das mit „1of500“, dessen Titel auf eine Bibelstelle zurückgeht. Das ein storybasierte 3D-Adventure wird am Baden-Württemberg-Stand auf der Gamescom 2019 gezeigt. Wie in der weltweit erfolgreichen Reihe „Assassin’s Creed“ werden historische Schauplätze detailliert rekonstruiert. Nur dass es hier nicht ums Kämpfen geht, sondern darum, „sich in existenziellen Fragen moralisch, ethisch und spirituell herausfordern zu lassen und individuell zu positionieren.“ Die Hauptfigur ist der 15-jährige Fischersohn Benjamin. Der Spielenden tauchen ein in die historische Welt Jesus von Nazareths, lernen politische und religiöse Akteure kennen und müssen dabei immer wieder eigene Entscheidungen treffen. „Es ist uns sehr wichtig, dass diese Entscheidungen tatsächlich den Verlauf der Geschichte beeinflussen“, erklärt Josua, der mittlerweile ein rund zehnköpfiges Team leitet. Hinzu kommen einige Freelancer sowie „viel ehrenamtliche Unterstützung, ohne die wir sicher nicht so weit gekommen wären.“

Die Gamescom: großer Schritt für kleine Unternehmen

Auch monetäre Starthilfe ist in der Frühphase solcher Projekte ein entscheidender Faktor. Die erhielt Josua durch die Evangelische Kirche und das Digital Content Funding (DCF) der MFG Baden-Württemberg. Die MFG bietet vielversprechenden Projekten aus der Region über die finanzielle Zuwendung hinaus Hilfestellung in Form von Beratung, Networking und unter anderem auch mit einem Gemeinschaftsstand auf der Spielemesse Gamescom vom 20. bis 22. August in Köln. Dort, in der Business Area, Stand B040, Halle 4.1, präsentieren dieses Jahr sieben Games-Unternehmen aus dem Südwesten ihre neuesten Entwicklungen. Für viele ist es der bislang größte Schritt in eine stetig wachsende Branche, die zahlreiche Herausforderungen und Chancen bietet. Bereits zum siebten Mal organisiert die MFG Baden-Württemberg den gemeinsamen Auftritt regionaler Newcomer und Unternehmen.

Dazu gehört auch das in Weingarten ansässige Start-up Ten Eyes media. Für Thorsten Rehbogen, einen der Gründer, begann der Weg in die digitale Welt mit einem Kellerfund. Sein Vater hatte dort den Mitte der 80er-Jahre erschienenen Heimcomputer Atari ST deponiert – samt dem darauf installierten Klassiker „Ballerburg“. Diesen möchte er nun zusammen mit Patrick Fraß und Dennis Reimer wiederbeleben, mit denen er das Unternehmen vor drei Jahren in Weingarten gegründet hat. Dort haben die Mittzwanziger auch Informatik studiert. Als Dienstleister wurde das Trio bereits mit einigen Profijobs betraut, unter anderem mit der Entwicklung von VR- und AR-Applikationen. In die virtuelle Realität zieht es die drei ganz besonders. Viele Experten sehen in der Erzeugung künstlicher digitaler Welten, in die der Spieler mithilfe einer Spezialbrille eintauchen kann, ein gewaltiges Zukunftspotenzial. VR kann nicht nur zu Unterhaltungszwecken eingesetzt werden, sondern unter anderem auch im Bildungsbereich oder in der Medizin.  

Faszination virtuelle Welten

In ihrer „Ballerburg“-Version namens „Fortress Fight VR“ geht es aber primär um Spaß sowie darum, ein breiteres Publikum mit der Faszination VR bekannt zu machen. In der comicartigen Spielwelt gilt es, mit möglichst präzisen Kanonenschüssen eine gegnerische Festung zu erobern. Auf diese Weise soll das Flair der goldenen Zeit der Computerspiele mit aktueller Technik vereint werden. Von der MFG wurdedas Projekt mit einer fünfstelligen Prototypenförderung unterstützt. „Für uns war das ein ganz wichtiger erster Schritt, um überhaupt erst mal zu zeigen, was wir können und wo wir mit unserer Arbeit hinwollen“, erklärt Dennis Reimer.

Auf dem Gemeinschaftsstand in Köln möchten er und seine Mitstreiter auf sich aufmerksam machen, Feedback einholen und Kontakte zu künftigen Partnern knüpfen. Direkt am Stand finden zwei DCF-Sprechstunden statt. Am Dienstag, 20. August, von 15.30 – 17.30 Uhr und am Donnerstag, 22. August, von 9.30 bis 11.30 Uhr können sich Interessierte über Fördermöglichkeiten informieren und während der gesamten Messe direkt auf Entwickler*innen und Unterstützende treffen. Auch für Amin Joshua und sein Projekt „1of500“ öffnet sich in Köln eine „Tür zu einem riesigen Markt“. „Wir wollen die Gamescom nutzen, um unser Projekt auf das nächste Level zu bringen.“ Im Vordergrund steht die Suche nach Inverstoren, Partnerschaften und Mitstreiter*innen. Denn klar ist: „Auch die beste Idee und das beste Produkt kann man nicht im Alleingang realisieren und zum Erfolg führen.“

Autor: Steffen Haubner

Mehr Infos:
1of500
Ten Eyes media

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