Medien- und Filmgesellschaft Baden-Württemberg

„Viele wollen keine Veränderung, sondern nur ein bisschen Frieden“

Bestsellerautor Peter Kreuz hält die Eröffnungskeynote beim Media Tasting am 24. Juni in Stuttgart

Bild Portrait Dr. Peter Kreuz
Peter Kreuz: Die Zukunft ist kein Schicksal, sondern lässt sich gestalten  | Bild: Lydia Jonas

Dr. Peter Kreuz ist Autor mehrerer SPIEGEL-, Manager Magazin- und Handelsblatt Bestseller. Mit seiner Community „Rebels at Work“ bringt er Menschen zusammen, die über Grenzen hinweg denken, den Status Quo hinterfragen und andere von ihren Ideen überzeugen. Peter Kreuz hält die Eröffnungskeynote beim Media Tasting am 24. Juni 2019.

 

Die digitale Transformation macht vielen Unternehmen Angst: Alte Lösungen sind nicht mehr gefragt, neue noch nicht erprobt. Was raten Sie Unternehmen: Wie sieht der erste mutige Schritt aus, um auch in Zukunft am Markt bestehen zu können?

Die Zukunft ist kein Schicksal, sondern lässt sich gestalten. Dazu braucht es Menschen, die den Mut und den Willen haben, die Ärmel hochzukrempeln und immer wieder aufs Neue herauszufinden, was richtig ist. Nehmen Sie die digitale Transformation. Ja, diese Entwicklung hat gewaltige Auswirkungen. Und ja, es verändert unsere Arbeitswelt grundlegend. Denn es bedeutet, dass eine Maschine problemlos die Arbeit von zwanzig gewöhnlichen Menschen machen kann. Aber keine Maschine ist in der Lage, die Arbeit von einem außergewöhnlichen Menschen zu machen. Das sollten wir uns bei den gegenwärtigen angstgetriebenen Debatten immer wieder bewusst machen.

 

Warum tun sich so viele Firmen so schwer, etwas Neues anzustoßen?

Unternehmen sind mit ihren Strukturen, Zuständigkeiten und Regeln auf die Bewältigung von Routineaufgaben zugeschnitten. Aber Innovationsaufgaben sind alles andere als Routineaufgaben. Hinzu kommt, dass es Arbeit, Energie, Mut und Ausdauer verlangt, einen neuen Weg einzuschlagen. Doch viele wollen keine Veränderung, sondern nur ein bisschen Frieden. Neues anzustoßen, bedeutet auch, sich gegen Widerstand durchzusetzen zu müssen und Konflikte mit den Gralshütern des Status quo in Kauf zu nehmen. Der Leitsatz in so manchem Unternehmen lautet deshalb bedauerlicherweise: Wer nichts tut, löst auch keinen Konflikt aus.

Welche Führungspersönlichkeiten braucht es dazu?

Eine gute Führungskraft zeichnet sich dadurch aus, dass sie es schafft, dass Menschen ihr vertrauen. Und zweitens und noch viel wichtiger, dass sie es schafft, dass die Menschen sich selbst vertrauen.

 

Sie sagen, wer Zäune um Menschen baut, bekommt Schafe. In wie fern ist diese Führungskultur heute noch in Unternehmen anzutreffen?

Es gibt immer noch viele Zäunebauer in den Chefetagen. Das ist bloß ein zweckloser Versuch, in Zeiten extremer Komplexität alles und jeden mit Kontrolle in den Griff bekommen zu wollen. Hinzu kommt, dass Unternehmen, die mehrheitlich von Schafsherden bevölkert sind, sich auf geradezu sträfliche Weise ihrer Möglichkeiten berauben. Denn statt Initiative, Kreativität und Engagement herrschen Konformität, Gleichgültigkeit und Dienst nach Vorschrift.

 

Wie wollen wir heute geführt werden, damit wir keine Schafe werden?

Selbständig denkende und handelnde Mitarbeiter brauchen Selbstbestimmung und Freiraum. Deshalb ist es so wichtig, die Regel- und Kontrollwut radikal einzudämmen, denn ein enges Regelwerk erzieht Menschen dazu, Regelbefolger zu werden. Das wäre schon ein guter Ansatzpunkt für die Personalarbeit: Welche Regel können wir weglassen? Aufräumen, entrümpeln, mental durchlüften! Alles aus dem Weg räumen, worüber Mitarbeiter sich ärgern und was sie davon abhält, ihre Arbeit mit Engagement auszuüben.

 

Welche Mitarbeiter eigenen sich am besten, um die Reise ins Ungewisse anzutreten?

Organisationen brauchen Menschen, die provokativ und gleichzeitig kompetent sind. Zwei Punkte sind wichtig: Es genügt nicht, nur kompetent zu sein. Das ermöglicht durchschnittliche, solide, fachlich untadelige Arbeit, die absolut okay ist, aber kein Herz höherschlagen lässt. Es reicht auch nicht aus, nur provokativ zu sein. Hier vergisst das Hinterfragen seinen Zweck und dient nicht mehr der Sache selbst. Es geht also darum, beides gleichzeitig zu sein: Kompetent zu sein, also gründlich, geschäftsorientiert, verantwortungsbewusst. Und gleichzeitig provokativ, also herausfordernd, hinterfragend und kreativ.

Worauf müssen wir uns in der zukünftigen Arbeitswelt einstellen?

In einer immer komplexeren und sich immer schneller verändernden Welt gibt es keine Gewissheiten mehr. Wir kommen also nicht umhin, traditionelle Überzeugungen zu hinterfragen, konventionelle Erfolgsmuster zu attackieren, Denkgrenzen zu sprengen, neue Einsichten aufzuspüren, Experimente zu wagen, Misserfolge zu analysieren und wieder von vorn beginnen. Und das immer und immer wieder.

 

Interview: Sigrid Eck

 

Media Tasting: Special Price Tickets für die MFG-Community

Als Mitveranstalter bietet die MFG Baden-Württemberg ihrer Community und Partnern vergünstigte Kongress-Tickets zum Sonderpreis von nur 99 Euro. Der Zugang zu den MFG Special Price Tickets: Auf der Media Tasting-Website das Frühbucher Ticket auswählen und den Code MFG19MT eingeben. Unter der Ticketkategorie „MFG“ wählen. Hier das vergünstigte Ticket (99 Euro netto) buchen.

 

Kontakt

Dr. Angela Frank
Dr. Angela Frank

Unitleiterin Kultur- und Kreativwirtschaft

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