Medien- und Filmgesellschaft Baden-Württemberg

Einfach mal ein Märchen spielen

„A Juggler’s Tale“ wurde mit dem Deutschen Computerspielpreis prämiert. Die Macher aus Ludwigsburg erzählen, was es mit dem Platformer-Puzzle-Game auf sich hat

Nächtliche Landschaft
Die Geschichte spielt in einer mittelalterlichen Märchenwelt | Bild: A Juggler's Tale

Eigentlich wollten Steffen Oberle, Enzio Probst und Dominik Schön, drei Animations- und Gamesstudenten an der Filmakademie Baden-Württemberg, im Sommersemester nur ein sehr kurzes, tückisches Puzzle-Game mit 3D-Logik machen. Doch dann entwickelten sie die Idee für eine interaktive, spielbare Geschichte in Form eines 2,5D Side-Scroller Platformer-Puzzle-Games. Die MFG Baden-Württemberg hat die Entwicklung mit dem Digital Content Funding unterstützt. Nun wurde „A Juggler’s Tale“ mit dem Deutschen Computerspielpreis ausgezeichnet – neben fünf weiteren Games aus Baden-Württemberg.

Die Geschichte: Der fahrende Puppenspieler Jack erzählt mit seiner Marionette Abby das Spiel A Juggler's Tale, eine Parabel über die Lüge der Freiheit. Im Auftrag eines tyrannischen Fürsten will er damit die ländliche Bevölkerung einschüchtern. Doch dem Spielenden gelingt es, Abby aus der Kontrolle des Puppenspielers zu befreien und ihre eigene Geschichte erzählen zu lassen. Und so erlebt Abby in knapp 80 Minuten Spielzeit ein spannendes Abenteuer in einer märchenhaften, aber auch düsteren Mittelalterwelt. Begleitet wird das Stück von Reimen des Erzählers Jack, um Abbys Situation und ihre Gedanken dem Publikum darzulegen.

Komplexe Puzzle-Designs und stimmungsvolle Musik

Das Gamedesign und Programming übernahm Dominik Schön, Feature-Programming, Shading, Lighting wurde zu Enzio Probsts Hauptaufgabe und für Storytelling, Art Direction und 3D Modelling Art war Steffen Oberle verantwortlich. Da der Umfang der sehr theaterhaften Story mit fünf Akten, komplexen Puzzle-Designs, Dutzenden von NPCs (Non Player Characters) und Spielorten deutlich die eigentliche Produktionszeit überstieg, entschieden sich die drei mit der Unterstützung von weiteren Studierenden, zunächst nur ein Spiellevel als Konzept zu bauen. In nur sechs Wochen entstand so der zweite Akt, der als Vertical Slice Demo alle Elemente eines finalen Spiels enthielt: vier Bühnenbilder, fünf Charaktere, die Narration von Jack, das physikalische Puzzle-Design, das Sound Design und eine stimmungsvolle Musik. 

Da das Spielkonzept bei vielen Spieler*innen gut ankam, entschieden sich Enzio, Steffen und Dominik, in ihrem Urlaubsjahr 2018/19 professionell ein vollständiges Spiel zu entwickeln. Die Filmakademie übertrug den dreien sämtliche Verwertungs- und Weiterentwicklungsrechte. Als Producer konnten sie den Animationsdozenten und Videospielproducer Sven Bergmann gewinnen, mit dem sie im März 2018 eine GbR und somit Ludwigsburgs fünftes Videospielentwicklerstudio gründeten. Anfang Mai bewilligte die MFG Baden-Württemberg 20.000 EUR Förderung im Digital Content Funding und die Arbeit am Spiel konnte beginnen. Zunächst aber nur auf drei großen DIN-A0-Konzeptbögen und unendlich viel kleinen bunten Zetteln in einer Ludwigsburger WG. Im Juni konnte dann das Kernteam einen Büroraum in Ludwigsburg beziehen und mit der eigentlichen Spielentwicklung beginnen. Die vielen Zettel wurden noch mehr und bedeckten schon nach einer Woche sämtliche Wände. 

Next Steps: Test, Fine-Tuning und Sommer-Endspurt

Auch das Juggler-Team wuchs im Laufe des Sommers 2018 schnell auf zwölf Köpfe an. Nach neun Monaten intensiver Arbeitszeit ist das Spiel zu gut 80 Prozent fertig. Im „Sommer-Endspurt“ will das Kernteam das Spiel neben dem Studium bis zum September fertigstellen und veröffentlichen. Die sicherlich spannendsten Phasen werden Gameplay-Test und Feedback und das entsprechende Bug-Fixing mit dem Fine-Tuning ab Mai werden.

Das Game wird mit der Unreal 4 Engine entwickelt und ist zunächst nur für das Spielen auf dem PC gedacht. Der Verkauf und Vertrieb soll nur per Online-Download-Distribution über Plattformen wie Steam, Epic Store und GoG organisiert werden. Entsprechend soll die Vermarktung überwiegend durch Online-Marketing auf Social-Media-Plattformen und durch die Gamer-Communitys geschehen.

„A Juggler’s Tale“ richtet sich hauptsächlich an Spieler*innen zwischen 14-28 Jahren ab, die Side-Scroller-Plattformen mit Puzzle-Elementen schätzen. Aber es soll auch jüngere und ältere Gamer ansprechen, die sich auf eine sehr narrative und poetische Spielerfahrung einlassen wollen. Daneben können sie eine spannende Geschichte erleben, deren Thematik sie vielleicht auch nach dem eigentlichen Spiel noch weiter beschäftigt. Durch die einfache Steuerung eines Side-Scrollers und eine vergleichsweise kurze Spieldauer von unter zwei Stunden hoffen die Entwickler auch Menschen zu erreichen, die sich normalerweise nicht als „Gamer“ bezeichnen würden. Sie möchten alle begeistern, die einfach mal ein Märchen spielen wollen.

Autor: Sven Bergmann
Mehr Infos:

A Juggler's Tale
Digital Content Funding

Ansprechpartner

Iris Harr
Iris Harr

DCF / Produktionsförderung

Unit Filmförderung / Unit Kultur- und Kreativwirtschaft

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