Medien- und Filmgesellschaft Baden-Württemberg

Wo Dr. House auf Tamagotchi trifft

„DocCase“ entwickelt ein virtuelles Sprechzimmer. Im Interview erzählen die BW Goes Mobile Gewinner, was sie bisher erreicht haben

Mit BW Goes Mobile 2017 unterstützt die MFG zum sechsten Mal die Umsetzung vielversprechender mobiler Ideen. Der Wettbewerb liegt in diesem Jahr auf den Themenschwerpunkten Mobilität, Kultur und Information. In diesen drei Kategorien haben sich kreative Köpfe aus Baden-Württemberg mit über 50 Ideen beworben – seit Februar stehen die Gewinner fest: für Mobilität das Projekt Movemates, für Kultur das Projekt Poe und für Information das Projekt doccase. Die drei Teams erhalten während der halbjährigen Umsetzungsphase ihrer mobilen Konzepte gestaffelt jeweils 10.000 Euro Preisgeld, einen Mentor und Coachings.

Eray Özmü, Geschäftsführer der App-Agentur econsor mobile GmbH und Medizinstudentin Yasemin Uyanik sind das Team hinter doccase, dem Gewinnerprojekt der Kategorie „Gut informiert – neu interpretiert”. Unterstützt und beraten werden sie während der Umsetzung von ihrem Mentor Tobias Köhler, Leiter des Strategie- und Innovationsteams der Südwestdeutschen Medienholding. Im Interview erzählen doccase von ihren Eindrücken der BW-Goes-Mobile-Umsetzungsphase, was sie bisher geschafft haben und was in den letzten vier Wochen noch ansteht.

Worum geht es bei eurer Idee für BW Goes Mobile?

Wir bieten Medizinstudenten mit einer Mobile App eine neue Lernmethode. Bei doccase gibt es ein virtuelles Wartezimmer mit Patienten, die geheilt werden wollen. Jeder der Patienten hat eine spannende Geschichte und die Diagnostik wird zum Krimi. Man könnte auch sagen, unsere App ist eine Mischung aus Dr. House und Tamagotchi. Die Nutzer müssen dann über ein Patientengespräch und verschiedene Analysen den Patientenfall lösen: Ist es ein normaler Husten oder doch eine tropische Krankheit? Nach spätestens 48 Stunden wird der Fall aufgelöst und die Studenten erfahren, ob sie mit ihrer Diagnose richtig liegen.

Wie beurteilt ihr die vergangenen Monate der Umsetzungsphase?

Diese war und ist immer noch sehr spannend. Wir haben mit vielen Studenten und Experten über unsere möglichen Herangehensweisen geredet. Zum Start von BW Goes Mobile gab es nur grobe Vorstellungen zur Umsetzung – mittlerweile haben wir ein klares Bild. Während der letzten Monate haben wir das User-Interface-Design erstellt, das Konzept ausgearbeitet und eine allgemeine App-Struktur für die Erfassung und Erstellung von medizinischen Fällen konstruiert. Die App ist jetzt für einen Beta-Test mit Studenten bereit und wir sind zufrieden mit dem Ergebnis. Uns ist aber klar: Wir müssen noch richtig Gas geben und zügig weitere Medizinfälle liefern.

Wie kommt ihr mit eurem Projekt doccase voran?

Wir sind gerade in der Endphase für unser Minimal Viable Product, also der App-Version mit den nötigsten Funktionen, um die App auf Markttauglichkeit testen zu können. Wir haben noch lange nicht alle Funktionen umgesetzt, die uns im Kopf herumschwirren, hoffen aber, nach unseren ersten Tests noch einiges mehr erreichen zu können. Ziel ist es jetzt, Feedback zu sammeln und die nächsten Funktionen für die App zu planen und umzusetzen. Wir möchten von unseren derzeit fünf auf 15 Patientenfälle kommen und im September die App für alle Nutzer zugänglich machen.

Welche Hürden ergaben sich in der Umsetzungsphase für euch und wie habt ihr sie gemeistert?

Die größte Hürde war für uns das Thema Zeit. Da wir momentan im Gründerteam nur zwei Personen sind und beide noch einige Verpflichtungen haben – Medizinstudium bei Yasemin und App-Agentur bei Eray – haben wir jede freie Minute dafür geopfert, die App weiterzubringen. Wir sprechen zurzeit mit potenziellen Mitstreitern für unser Team, damit die nächsten Entwicklungsphasen noch schneller umgesetzt werden können.

Beschreibt einmal euren derzeitigen Arbeitsalltag.

Wir arbeiten gerade an zwei unabhängigen Fronten: Die eine ist die Erstellung und Aufbereitung der Fälle – medizinisch korrekt und gleichzeitig spannend in der Umschreibung. Das ist hauptsächlich Yasemins Part. Die andere Aufgabe ist die Entwicklung der App für die beiden Plattformen Google Android und Apple iOS. Das übernimmt Eray, der versucht, die App möglichst fehlerfrei und leicht in der Bedienung umzusetzen. Wir haben also beide eigene Spezialgebiete. Natürlich tauschen wir uns darüber ständig aus und testen auch fleißig die Ergebnisse des anderen.

Eure größte Erkenntnis aus dem Workshop-Programm?

doccase: Die Workshops waren für uns beide mit das Wertvollste an BW Goes Mobile. Wir haben dort sehr viel dazugelernt und konnten von allen Gesprächen etwas mitnehmen. Besonders spannend war die Aufbereitung unserer Idee in einem Pitch Deck mit einem vorangegangenen Business Modell Canvas: Bei der Aufgabe waren wir gezwungen, uns auf das Wesentliche zu konzentrieren und nochmal intensiv über unsere Alleinstellungsmerkmale und Zielgruppen nachzudenken.

Welchen Input hat euch euer Mentor Tobias Köhler gegeben?

Tobias hat maßgeblich am Prinzip der App mitgewirkt. Auch durch ihn sind wir zu dem Konzept gekommen, das wir am Ende umgesetzt haben – wir haben uns für die Struktur eines Chats entschieden: Der User unterhält sich schriftlich mit dem Patienten und kann dabei verschiedene Aktionen durchführen. Alle Aktionen und Gespräche laufen innerhalb dieses Chats ab. Die Studenten kennen dieses Interface durch WhatsApp gut und finden sich deswegen schnell in der App zurecht. Auf komplizierte Menüs haben wir dabei ganz verzichtet. Als Aktion im Chat kann man zum Beispiel Blutproben anfordern. Und die sind – wie im echten Leben – nicht sofort da, sondern kommen erst ein paar Minuten später mit einer Push-Nachricht an. Das hält die Geschichte am Laufen und bringt mehr Realismus ins Spiel.

Was wollt ihr bis zum Ende der Umsetzungsphase erreicht haben?

Wir wollen eine erfolgreiche Beta-Phase mit ca. 50 Nutzern fertigstellen und das Feedback der Tester auswerten. Wir hoffen, dass möglichst viele Tester Lust auf die Vollversion der App bekommen.

Und eure Wünsche für doccase in drei Jahren?

In drei Jahren wird doccase das Lieblingsspiel der Medizinstudenten sein. Wir möchten eine sehr starke Durchdringung in unserem Zielmarkt erreichen und verschiedene Ableger für andere Zielgruppen entwickeln – Hobbymediziner, angehende Medizinstudenten und für Ärzte eine App mit seltenen Krankheiten.

Kontakt

 Mira Kleine
Mira Kleine

Projektleiterin Unternehmerisches Handeln

Unit Kultur- und Kreativwirtschaft

Bitte weitersagen. Teilen Sie diesen Beitrag.